So viel vorneweg: Die jüngsten Äußerungen von Horst Seehofer zum Islam sind alles andere als skandalös. Und darüber, ob diese Religion zu Deutschland gehört, lässt sich streiten – historisch tut sie es nicht, in der Gegenwart tut sie es. Beim Christentum ist es zunehmend umgekehrt. Bei einer Umfrage zur Bedeutung von Pfingsten wäre längst mit katastrophalen Ergebnissen zu rechnen. Schon bei Ostern würde es schwierig. Weihnachten könnte gerade noch gehen. Politisch verkommt das Christentum zur Ritterrüstung im Kampf gegen andere.

Liest man das Interview des neuen Chefs in dem von ihm irrtümlich als „Heimatmuseum“ apostrophierten Ministerium, so lässt sich sogar ein schlechtes Gewissen herauslesen. Die Muslime gehörten natürlich zu Deutschland, sagt er. Er antwortet aber zugleich auf die Frage, ob Deutschland eine Fortsetzung der Islamkonferenz brauche: „Unbedingt!“ Das ist ein bisschen hü und ein bisschen hott. Was ist im Übrigen davon zu halten, wenn einer erklärt: „Muslime müssen mit uns leben, nicht neben oder gegen uns“?

Ist es nicht auch so, dass wir mit den Muslimen leben müssen und nicht gegen sie? Ist Zusammenleben nicht ein Ziel, dass man nur gemeinsam erreichen kann?

In dem Interview spricht einerseits der CSU-Vorsitzende und AfD Abwehrminister und tritt den Muslimen vors Schienbein. Andererseits spricht ein Politiker, dem offenbar bewusst ist, dass es weder dem inneren Frieden noch ihm nützt, Konflikte anzuheizen, für deren Lösung letztlich kein Geringerer zuständig ist als er selbst. Zu sagen: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, mag also inhaltlich richtig sein – strategisch ist es falsch.

Vor allem ist es, wenn man die Endlos-Debatten des vergangenen Jahrzehnts vor Augen und im Ohr hat, ungeheuer öde. Wer eine Bevölkerungsgruppe integrieren will, der darf sie vorher nicht ausgrenzen. Das ist eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen.