Probleme wie die Anschlagsgefahr geraten momentan in den Hintergrund.
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinGerade eben glaubte man noch, ein unsichtbares Virus sei die größte Gefahr der Epoche. Oder man hielt die forschen Gegner der coronabedingten Beschränkungen für bedrohlich. Beiseite gedrängt war der Gedanke, dass es Leute gibt, die anderes im Kopf haben als Mundschutz und Abstandsregeln. „Hass auf Türken“ nannte ein am Freitag festgenommener 25-Jähriger, selber türkischstämmig, als Motiv für Überfälle auf türkische Gemüseläden, Imbissbuden und so fort. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord in 27 Fällen vor. Der Mann sagte, er wollte Kämpfer des Islamischen Staates werden.

Der Fall passt weder in die NSU-Schublade noch in die Amri-Ecke – doch gerade deshalb fordert er auf, den Blick auch wieder ins Innere der konfliktgeladenen Gesellschaft zu richten, auf das, was unter der pandemiebewegten Oberfläche brodelt. Es wird ja wohl niemand glauben, dass auch nur eines unserer „normalen“ Probleme verschwunden ist. Verwunderlich ist nur, dass sie in diesen Wochen so wenig sichtbar blieben.

Alles wird bald wieder zutage treten, in verschärfter Form. Ein paar Monate ohne Flugbetrieb retten das Klima nicht, Autokonzerne wollen Steuerzahlergeld für Straßenstinker. Die Wälder verdorren. Die Schulkatastrophe galoppiert. Frauen sollen sich um Kinder und Küche kümmern und sich mit Gendersternen und öffentlich-rechtlichen Sprechbäuerchen abspeisen lassen, statt real und unumkehrbar gleiche Chancen zu bekommen. Geschlossene europäische Grenzen erinnern an Vor-EU-Zeiten. Rechte, Linke und sonstwelche Gewaltfreunde munitionieren sich. Schön, dass die Einreise nach MeckPomm wieder erlaubt ist.