Die Internationale Atomenergie-Agentur IAEA ist zwar keine „Behörde“ der Vereinten Nationen, wie ihr Name oft übersetzt wird. Aber sie ist den UN als Beraterin verpflichtet und genießt so den Ruf einer kundigen Behörde. Wenn sie also einen Ausbau der Kernenergie voraussagt, klingt das wie eine seriöse Prognose, die nur Deutschland als einsamen Aussteiger mit postfukushimatischem Stresssyndrom dastehen lässt.

Doch es lohnt ein Blick ins Kleingedruckte: Von 63 AKW-Neubauten sind allein 26 in China geplant, wo der Atomanteil am Energiemix dennoch im einstelligen Prozentbereich bleibt. In OECD-Demokratien gibt es gerade sechs Projekte, die jünger als 25 Jahre sind. So gehen viel mehr Altmeiler vom Netz als neue entstehen, und hinter vielen stolz vermelden Bauprojekten stecken Bauruinen aus den 70ern oder Schrottreaktoren in Schwellenländern. Dass gerade die deutsche Regierung einem davon in Brasilien durch eine Bürgschaft zum Bau verhelfen will, ist nur eine der vielen Unaufrichtigkeiten in der Atompolitik. Das alles rückt die IAEA nicht ins Zentrum ihres Interesses, weil sie laut Geburtsurkunde dazu da ist, die friedliche Nutzung der Kernenergie weltweit voranzutreiben. Wenn sie also Ausbau prognostiziert, ist das, als würde ein Metzger den steigenden Fleischkonsum bejubeln – der aber nur in ausgewählten Steakhäusern erkennbar ist.