Zwei Freunde aus Deutschland reisen gemeinsam als Rucksacktouristen durch den Kaukasus. In Armenien und Georgien kommen sie bei Freunden oder deren Familien unter. Es wird jedes Mal großzügig aufgetischt - für die Gäste aus dem Westen nur das Beste!

Einer der beiden Freunde allerdings lehnt den Tschatscha, einen typischen georgischen Schnaps, ab. Er trinke keinen Alkohol, sagt er. Auch rauchen möchte er nicht. Was soll’s, immerhin wird jetzt gegessen, der Gast aus dem fernen Deutschland wird sich schon noch locker machen.

Mitnichten. Die Chinkali, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen, rührt er nicht an. Schaschlik, Eintopf, nein danke. Er sei Veganer, sagt er, tierische Produkte würde er nicht essen, und im Übrigen denke er, sollten auch alle anderen darauf verzichten, dies zu tun. Die Gastgeber lächeln kurz und fangen dann an, sich die Teller aufzufüllen. Dem Mitreisenden steigt die Fremdscham ins Gesicht ob dieser Zivilisationsverweigerung.

Vegetarismus ist nicht nur ein Ernährungsstil

Viele können Geschichten wie diese über Freunde oder Familienmitglieder erzählen. Was ist nur los mit diesen Vegetariern? Warum nur können sie nicht mal über ihren eigenen Schatten springen?

Vegetarismus ist eben nicht nur ein Ernährungsstil, sondern eine Haltung, ein ideologisch-weltanschauliches Etwas — das meistens gut ist. Wer würde ernsthaft anzweifeln, dass eine fleischlose Ernährung besser ist für die Umwelt, das Tier, klar, und die eigene Gesundheit?

Vegetarier sind also die besseren Menschen und Vegetarismus ist eine gute Ideologie. Interessant ist das, weil Ideologie, wie der Brite Terry Eagleton ausführlich erklärt, heute weitgehend negativ definiert wird. Wer ist schon noch ideologisch?

Eigentlich sind das doch die Sturen, die intellektuell Unflexiblen, vielleicht Steinzeitkommunisten oder Islamisten, die nur ihr Kalifat im Sinn haben. Vegetarier sehnen auch eine andere Welt herbei, in der der Mensch in Einklang mit der Natur lebt und jeder nur noch Grünzeug isst. Ein Schelm, wer es wagt, Vegetarier mit jenen abseitigen Ideologen zu vergleichen.