Höhere Preise, mieses Angebot: So vergrault die Bahn ihre treuesten Kunden

Die Deutsche Bahn erhöht im Dezember ihre Tarife. Besonders für Vielfahrer ist das nach den vergangenen Monaten eine Beleidigung.

Alle, die lieber Bahn fahren statt Auto, müssen sich erneut auf höhere Ticketpreise vorbereiten.
Alle, die lieber Bahn fahren statt Auto, müssen sich erneut auf höhere Ticketpreise vorbereiten.dpa/Markus Führer

Man darf der Deutschen Bahn auch mal ein Kompliment machen. Was die Preise betrifft, ist wirklich Verlass auf diesen Staatskonzern. Ein Blick in die Statistik der vergangenen Jahre zeigt: Die Tickets für den Fernverkehr sind – abgesehen von wenigen Ausfällen – beständig teurer geworden. Wenn man so will, besticht die Bahn zumindest in dieser Hinsicht durch Zuverlässigkeit.

Es war also keine große Überraschung, als der Konzern in dieser Woche seine Pläne für den nächsten Fahrplanwechsel vorstellte. Die Tarife für Fahrten in ICE, IC und EC steigen ab Dezember durchschnittlich um 4,9 Prozent, bei Flex-Tickets sind es sogar 6,9 Prozent. Ausgenommen sind Spar- und Supersparpreise, aber nicht die Bahncard, denn auch sie wird teurer. Die Begründung für die kräftigen Sprünge: die Inflation.

Das klingt erst mal verständlich, immerhin leidet auch die Deutsche Bahn unter den massiv steigenden Energiepreisen. Auf zwei Milliarden Euro beziffert der Konzern seine Mehrkosten für das Jahr 2023. Warum also sollte die Bahn anders reagieren als Supermärkte, Tankstellen oder der Lieblingsitaliener um die Ecke? Alles wird teurer, warum also nicht auch die Fahrt über Hamm, wo beim Umstieg lange Aufenthaltszeiten garantiert sind?

Die Preise steigen, aber das Angebot bleibt schlecht

Tatsächlich muss man hier unterscheiden: Während Supermärkte, Tankstellen oder Restaurants ihre Konserven, Treibstoffe oder Pizzen auch weiterhin in gewohnter Qualität anbieten, scheint sich das Angebot der Bahn in die gegensätzliche Richtung der Preisentwicklung zu bewegen. Es geht bergab, und das schon seit Monaten. Bahnfahrer müssen sich dieser Tage auf mindestens eines der folgenden Szenarien einstellen.

Der ICE bleibt auf halber Strecke stehen, weil zu viele Menschen an Bord sind – wer im Gang saß, muss in einen anderen, ebenfalls überfüllten Zug wechseln. Die Getränke im Bordbistro sind nicht gekühlt; die Hälfte der Toiletten ist defekt; der nächste Anschluss kann „voraussichtlich nicht erreicht“ werden. Die vegane Gemüsebolognese für 9,90 Euro wird, sofern sie vorrätig ist, in einer Pappschale serviert.

Die Tariferhöhungen belasten vor allem die Vielfahrer

Abgesehen davon, dass die Preise bei diesem Angebot bereits zu hoch sind: Durch die angekündigten Tariferhöhungen werden vor allem die Vielfahrer, also die treuesten Kunden der Bahn, belastet. Sie nutzen die Bahncard und müssen zu Stoßzeiten künftig noch mehr für ihre Tickets zahlen.

Aber sind es nicht gerade sie, die der Bahn ohnehin schon viel verzeihen: die defekten Toiletten, die Verspätungen und Zugausfälle? Sind es nicht gerade diese Menschen, die auf Autofahrten oder Inlandsflüge verzichten und somit zu einem klimafreundlicheren Verkehr beitragen? 

Bei den vielen Milliarden Euro, die jedes Jahr in diesen Staatskonzern fließen, sind steigende Preise nichts anderes als eine Beleidigung für diese Kunden. Da dürfen auch die Energiekosten keine Entschuldigung sein, immerhin könnte der Staat die Inflation doch ausgleichen. Das beweist er auch in anderen Branchen.

Wenn es die Bundesregierung, und zuvorderst Verkehrsminister Volker Wissing, ernst meint mit der Mobilitätswende, sollte sie gerade der Stammkundschaft das Bahnfahren nicht vermiesen. Andernfalls steigt der ein oder andere vielleicht doch wieder um – auf Auto oder Flugzeug.