Berlin - Man stelle sich einmal vor, in einer Sport-Mannschaft haben einige keine Schuhe. Und das Trainerteam streitet sich darüber, was besser wäre: Einfach gar nichts zu tun oder aber Geld für einen neuen Trikot-Satz bereitzustellen.

Dieses Bild passt ganz gut zur aktuellen rentenpolitischen Debatte. Die Kanzlerin und die Union tun so, als gäbe es in nächster Zeit überhaupt nichts zu tun. Die SPD wiederum legt – wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für die Bertelsmann-Stiftung zeigt – Konzepte vor, die zwar manch Gutes bewirken können. Die aber am wichtigsten Zukunftsproblem nicht unwesentlich vorbeigehen.

Der Politik fehlt es an Antrieb

Das grundlegende Problem ist: Die Erwerbsbiografien sind erheblich brüchiger geworden – das deutsche Rentensystem geht aber im Wesentlichen immer noch von Menschen aus, die ein Erwerbsleben lang ununterbrochen arbeiten und einzahlen. Diese Konstruktion kann, wie die Studie eindrucksvoll zeigt, nach 2030 für mehr Menschen zum Armutsrisiko werden, als man gemeinhin denkt. Da die größten Probleme aber nun einmal noch nicht in den nächsten zwei Legislaturperioden zu erwarten sind, fehlt es der Politik am Antrieb, nach Lösungen suchen. Und sie dann auch rechtzeitig in die Spur zu setzen.

Nehmen, was der Arbeitsmarkt bietet

Dabei muss es um zwei Dinge gehen: Erstens müssen Regierungspolitiker gemeinsam mit Experten darüber nachdenken, wie das Rentensystem in Deutschland mit den veränderten Erwerbsbiografien umgehen kann. Zweitens muss die Politik intensiv nach Wegen suchen, wie sich der immer weiter fortschreitende Trend zu gebrochenen Erwerbsbiografien und prekärer Beschäftigung bremsen lässt. Die gelegentlich aufgestellte Behauptung, eine unbefristete Vollzeitstelle entspreche nicht mehr dem Lebensgefühl der jüngeren Generation, ist Unfug. Viele müssen schlicht nehmen, was sie am Arbeitsmarkt bekommen.