Der Versandhändler Amazon zahlt seinen Beschäftigten im ersten Berufsjahr bis zu 9 000 Euro weniger, als ihnen nach dem Einzelhandelstarifvertrag zustünde. Das hat Verdi den Mitarbeitern bei Amazon vorgerechnet und ihnen damit einen tragfähigen Grund geliefert, um für eine Tarifbindung ihres Arbeitgebers zu streiken. Es geht aber nicht nur um 9 000 Euro. Eine ebenso wichtige Rolle spielt in diesem Konflikt die grundlegende Frage, wie es mit Tariflöhnen auf der einen und Lohndumping auf der anderen Seite weiter geht in Deutschland.

Denn Amazon ist nur ein Beispiel für andere Dienstleistungsbranchen, in denen der Wettbewerb vor allem über die Lohnkosten ausgetragen wird. Ob Fahrradkuriere, Lagerarbeiter, Friseure, Reinigungskräfte, Kellner: Geringe Arbeitnehmerentgelte bedeuten einen Wettbewerbsvorteil.

Diese Art Dumpinglohnkonkurrenz wird auf dem Rücken von Arbeitnehmern ausgetragen, die unabhängig von ihrem Arbeitseinsatz grottenschlecht bezahlt werden. Und sie geht zulasten von besser entlohnenden Unternehmen, denen nur die Wahl bleibt, auch weniger zu zahlen oder vom Markt zu verschwinden.

Bizarrerweise wird die Billiglohnpolitik auch noch öffentlich subventioniert. Geringverdiener erhalten staatliche Zuschüsse. So finanzieren Steuerzahler indirekt schlecht entlohnende Unternehmen, während besser zahlende Arbeitgeber an Boden verlieren.

Man kann nur hoffen, dass die Streiks bei Amazon Erfolg haben.