In der Flüchtlingspolitik zerfallen die Koalitionsparteien in zwei Lager. Es gibt in der Union und zunehmend auch in der SPD die Unvernünftigen, die im Namen der Vernunft die Schließung der Grenzen, die Abschaffung des Asylrechts und die Festlegung einer Obergrenze propagieren. Und es gibt die Vernünftigen, angeführt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die wissen, dass keine Grenzschließung, keine Grundgesetzänderung und keine Obergrenze die Flüchtlinge, die nach Europa und Deutschland drängen, von der Flucht abhalten wird. Denn sie kommen nicht, weil der deutsche Sozialstaat lockt, sondern weil sie wissen, dass die Alternative zur Flucht für sie in aller Regel Tod, Elend und Verzweiflung bedeutet.

Es ist nicht so, dass Angela Merkel die Augen vor den Problemen verschließen würde, die die Unterbringung hunderttausender Flüchtlinge bedeutet. Sie weiß, dass die Aufnahmekapazitäten in vielen Städten erschöpft sind. Aber sie weiß eben auch, dass das Problem mit keiner gesetzlichen Obergrenze gelöst werden kann, sondern mit einer Erweiterung der Kapazitäten gelöst werden muss.

Ihr muss auch niemand erklären, dass eine optimistische Betrachtung der Lage („Wir schaffen das“) die Lage noch nicht verändert, aber ihr ist auch bekannt, was viele in Union und SPD inzwischen vergessen haben: Erst recht hat verloren, wer daran glaubt, nicht gewinnen zu können. Die Bibel bezeichnet sie als Kleinmütige. Horst Seehofer und andere Christenmenschen in Union und SPD sollten gelegentlich wieder einmal hineinschauen.