Björn Höckes Vorgehen ist dreist. Erst spricht der Thüringer AfD-Chef von der „dämlichen Bewältigungspolitik“ und sagt: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Dann behauptet er, es sei eine „bösartige und bewusst verleumdende Interpretation“, dass er mit seiner Rede das Holocaustgedenken der Deutschen kritisiert habe. Es erschaudert einen, dass dieser Mann einmal als Geschichtslehrer gearbeitet hat.

Ohne jede Frage ist es ein Armutszeugnis, dass der AfD-Bundesvorstand Höcke nicht aus der Partei ausschließen möchte. Und es lässt tief blicken, dass die Mehrheit dort offenbar der Meinung ist, auf jemanden wie Höcke im Wahlkampf nicht verzichten zu wollen oder zu können. Das belegt: Jeder, der behauptet, die AfD bemühe sich allein um Konservative und um Menschen, die sich vom etablierten Politikbetrieb entfremdet hätten, erzählt Märchen. Die Partei setzt gezielt darauf, auch Stimmen vom äußersten rechten Rand zu gewinnen.

Auch Parteichefin Frauke Petry, die sich für einen Ausschluss Höckes stark gemacht hat, fehlt die Glaubwürdigkeit. Wer sich mit der Chefin des französischen Front National, Marine Le Pen, und anderen Vertretern der extremen Rechten in Europa trifft, um sich als Zukunft des Kontinents feiern zu lassen, zeigt: Es geht ihm – ohne Rücksicht auf Verluste – um die eigene Karriere.