Berlin - Im Englischen gibt es das Sprichwort: „If you are in a hole, stop digging.“ Übersetzt heißt das: „Wenn Du im Loch sitzt, hör auf zu buddeln.“ Horst Seehofer kennt das Sprichwort entweder nicht. Oder er hat entschieden, es zum eigenen Nachteil kunstvoll zu ignorieren.

Der Bundesinnenminister hat es im Zuge des Streits um die Flüchtlingspolitik ja vermocht, weite Teile der Republik gegen sich aufzubringen - mit Ausnahme der AfD und dem rechten Flügel von CDU und CSU. Selbst in der eigenen Partei würden ihn nicht wenige gern fallen sehen.

Zwar hat Seehofer den Flüchtlingsstreit für beendet erklärt. In der Auseinandersetzung um den Brexit hat er nun aber eine zweite Front eröffnet. Der Minister beliebt, weiter zu buddeln - obwohl er im Loch sitzt.

Seehofer kann es nicht lassen Merkel in die Parade zu fahren

Mal abgesehen davon, dass es nicht richtig wäre, die Sicherheitszusammenarbeit und damit vor allem den Datenaustausch mit Großbritannien ohne rechtliche Bindungen aufrecht zu erhalten, scheint die Intervention Seehofers auch machtpolitisch verfehlt. Ein deutscher Innenminister ist mächtig - aber nicht so mächtig, dass er gegen 26 EU-Regierungen ankommt und die eigene Kanzlerin noch dazu.

Letzteres hat der deutsche EU-Vertreter in Brüssel soeben unmissverständlich klar gestellt. Darum gibt es bloß zwei Erklärungen. Entweder Seehofer überschätzt erneut seine Kräfte. Dafür spricht viel. Oder er kann es nicht lassen, Angela Merkel in die Parade zu fahren. Dafür spricht ebenso viel. Das politische Berlin beobachtet das Treiben des 69-Jährigen jedenfalls mit atemlosem Staunen. Es wirkt wie das tragische Ende einer ansehnlichen politischen Karriere.