Das verlangt Chuzpe: Ein Verfassungsschutzchef, der gerade bezichtigt wird, den Bundestag über die Ermittlungen gegen den Terroristen Anis Amri belogen zu haben, zugleich mit der AfD zu sympathisieren und deren Beobachtung zu verhindern, sollte seine öffentlichen Aussagen gut abwägen.

Hans-Georg Maaßen hielt es dagegen für angemessen, seine „Skepsis gegenüber Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz“ zwar nicht der Regierung mitzuteilen – dafür der Bild-Zeitung.

Ein Verfassungsschutzchef sollte bei medialen Auftritten Zurückhaltung wahren. Wenn Maaßen sie aber aufgibt, während wegen der Chemnitzer Vorfälle 120 Ermittlungsverfahren laufen, sollte sich seine Sorge zumindest um den Schutz der Verfassung drehen.

Maaßen relativiert die dokumentierten Angriffe

Stattdessen die Verfassungsfeinde aus der Schusslinie zu nehmen und ohne Beleg oder Namensnennung von Beweisfälschungen zu sprechen, wirkt angesichts seiner Vorgeschichte fast wie ein Rücktrittsgesuch.

Maaßen zweifelt den juristisch undefinierten Begriff „Hetzjagd“ an und relativiert so die dokumentierten Angriffe, erfindet aber den Versuch, „von dem Mord in Chemnitz abzulenken“, obwohl den klar definierten Mord-Begriff nicht einmal der Staatsanwalt vorbringt – und die Medien seit der Tat voll davon sind.

Politisch am schädlichsten ist aber, dass die Debatte so auf einen Nebenkriegsschauplatz gerät. Weder die semantische Frage, was „Hetzjagden“ sind, nicht einmal die Chemnitzer Hitlergrüße sollten uns plagen. Sondern die Frage, warum so viele Ostdeutsche sich in ihrem Protest Rassisten und Nazis anschließen, und wieso sie auf diese Frage reagieren, indem sie die AfD zur stärksten Kraft machen.