Washington - An schönen Worten mangelt es nicht. Pünktlich zum Tage der deutschen Einheit überboten sich deutsche und amerikanische Politiker mit hehren Bekenntnissen zum transatlantischen Verhältnis. Doch so wichtig die Kontaktpflege über den großen Teich ist: Die Gefahr eines schweren Katers nach den Feierstunden ist groß.

Nicht nur der aktuelle Streit über das UN-Gerichtsurteil zu den Iran-Sanktionen zeigt, wie weit Washington und Berlin inzwischen in fundamentalen Fragen voneinander entfernt sind.

US-Präsident Trump fühlt sich bestätigt

Durch den Nafta-Erfolg fühlt sich US-Präsident Trump in seiner rücksichtslosen Politik des Stärkeren bestätigt: Strafzölle gegen deutsche Autos sind für ihn eine ernsthafte Option. Und über die Erdgaspipeline Nordstream 2 hat Trump so laut geklagt, dass man sich besser auf Sanktionen einstellen sollte.

Das alles spricht nicht gegen die intensive Pflege jener deutsch-amerikanischen Beziehungen, die noch in Takt sind. Im Gegenteil. Doch muss sich die Bundesregierung endlich den Realitäten stellen. Dort, wo Trump zu Recht die deutsche Trittbrettfahrerei bei den Verteidigungsausgaben kritisiert, sind mutige Beschlüsse gefordert. Und dort, wo er das demokratische Wertegerüst untergräbt, muss sich Europa geschlossen und energisch entgegenstellen. Die Zeit des transatlantischen Gesundbetens ist vorbei.