Im Bundestag schwelt seit Monaten ein Schadfeuer. Fachleute definieren es als einen Brand, der ohne einen bestimmungsmäßigen Herd entstanden ist oder diesen verlassen hat und sich selbstständig auszubreiten vermag. Die Öffentlichkeit nennt es kurz Edathy-Affäre. Seit sie Ende Januar mit dem Ermittlungsverfahren gegen den SPD-Politiker Sebastian Edathy wegen des Verdachts der Kinderpornografie begonnen hat, sind die Versuche aller Beteiligten, das Schadfeuer zu begrenzen, gescheitert.

 Im Gegenteil: Jede öffentliche Äußerung ist geeignet, ihm neue Nahrung zu geben. Die Liste der Opfer des Skandals ist inzwischen recht beachtlich. Auf Edathy selbst, dessen Leben als Politiker beendet ist, folgte Hans-Peter Friedrich (CSU), der für seine freimütige Informationspolitik in der Affäre mit  seinem Rücktritt als Bundesinnenminister bezahlte,  der Chef des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke, der sich keineswegs sicher sein kann, seinen Ruhestand außerhalb der Brandzone verbringen zu können, und schließlich Michael Hartmann (SPD).

Er wird von Edathy bezichtigt, ihn mit – von Ziercke gelieferten - Hinweisen auf das Ermittlungsverfahren  gewarnt zu haben. Hartmann bestreitet das – allerdings so offensichtlich unsicher, dass kaum ein Beobachter nach Hartmanns Auftritt im Untersuchungsausschuss gestern daran zweifelte, das nächste Opfer der Affäre gesehen zu haben. Und nach Lage der Dinge würde er kaum das letzte bleiben. Denn die Rolle anderer, führender SPD-Politiker ist durchaus nicht geklärt. Im für die Sozialdemokraten besten Fall hat das Schadfeuer namens Edathy-Affäre jetzt seine größte Ausdehnung erreicht - gelöscht ist es noch lange nicht.