Die Äußerung des stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, Jerome Boateng werde als Fußball-Nationalspieler geschätzt, aber als Nachbar vermieden, ist nicht ausländerfeindlich: Boateng ist nämlich Deutscher. Sie ist nicht islamophob: Boateng ist, anders als Gauland, Christ. Sie ist nicht einmal fremdenfeindlich: Boateng ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Sie ist: offen und ehrlich rassistisch. Das immerhin hat Gauland anderen AfD-Funktionären voraus, die ihren Rassismus als „Verteidigung des christlichen Abendlands“ oder als „Abwehr des Islamismus“ kostümieren.

So etwas hat Gauland nicht nötig. Er ist mit seinen 75 Jahren zwar ganz bestimmt nicht mehr flink wie ein Windhund, aber sein Rassismus ist nach wie vor zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Weil aber kein Rassist öffentlich bekennt, ein zäher und harter Rassist zu sein, spricht Gauland nicht von Rassismus, sondern davon, dass er und seinesgleichen um „ihr So-Sein“ kämpften, für alles, „was man von den Vätern ererbt“ habe.

Geistiger Nachlass Gaulands ausgeschlagen

Das väterliche und großväterliche Erbe ist für viele Deutsche bekanntlich kein ganz unkomplizierter Nachlass. Versteht sich zum Beispiel die selbst für manche AfD-Mitglieder kaum erträgliche Beatrix von Storch mit ihrem Plädoyer für den Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge als geistige Nachfahrin ihrer Großväter, von denen der eine SA-Standartenführer, der andere NS-Reichsfinanzminister war?

Was ist das väterliche Erbe, das Gauland und seine Gesinnungsgenossen mit ihrem Rassismus verteidigen? Nicht dazu gehören: die unbedingte Achtung der Menschenwürde, Religionsfreiheit, Respekt vor der sexuellen Identität, das Christentum (Gauland: „Wir wollen nicht das Christentum im religiösen Sinne verteidigen“), Weltoffenheit, Toleranz. Den geistigen Nachlass hingegen, den Gauland verteidigt, hat die Bundesrepublik ausgeschlagen. In ihrem „So-Sein“ ist dafür kein Platz.