In der Nazi-Zeit sind sechs Millionen Juden umgebracht worden und noch mal so viele Kriegsgefangene, politische Gegner, Homosexuelle, Behinderte. Über 50 Millionen Menschen sind im von Adolf Hitler und Konsorten angezettelten Zweiten Weltkrieg gestorben. Verbrecher und Massenmörder beherrschten das Land, Grundrechte und Demokratie waren Fremdwörter. AfD-Fraktionschef Alexander Gauland sagt, diese Zeit sei „ein Vogelschiss“ gewesen in der deutschen Geschichte. Seine Parteijugend hat ihm dafür applaudiert.

Vielen Dank, Herr Gauland, für diese Klarstellung. Es bleibt festzuhalten: Die AfD hält systematischen Mord, Krieg, Rassismus und Diktaturen für zu vernachlässigende Kleinigkeiten.

Es gibt da nichts zu deuteln, nichts misszuverstehen, auch wenn die AfD wie immer im Nachhinein zu relativieren versucht. Denn auch der Zusammenhang macht es nicht besser: Ein Vogelschiss sei die Nazi-Zeit in der 1000jährigen deutschen Geschichte, so hat es Gauland gesagt. Abgesehen davon, dass der deutsche Nationalstaat sich erst im 19. Jahrhundert formierte und das Stichwort „1000 Jahre“ kaum zufällig auf das 1000jährige Reich verweist, auf das sich die Nazis eingestellt hatten: Millionen Tote und eine staatliche Mordindustrie bleiben auch in über 1000 Jahren eine Monstrosität.

Auffallen gehört zum Erfolgskonzept

Die Empörung, die seine Äußerungen ausgelöst haben, wird Gauland und seinen Unterstützern nicht bedrücken. Im Gegenteil: Auffallen gehört so sehr zum Erfolgskonzept der AfD, dass eine Rede ohne Entgleisungen mittlerweile schon die größere Nachricht wäre.

Zu denken geben sollte das allen, auch denen, die die AfD wählen und unterstützen. Den Status als Protestpartei hat diese Partei endgültig verloren. Die Gesinnung des Führungspersonals liegt offen zutage. Sie ist keine Nebensächlichkeit. Es kann niemand sagen, er habe es nicht gewusst.