Zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit hat Margrethe Vestager, die neue EU-Wettbewerbskommissarin aus Dänemark, einem Weltkonzern den Kampf angesagt. In der vergangenen Woche knöpfte sie sich den Internet-Riesen Google vor, gestern war der russische Erdgaskonzern Gazprom an der Reihe. „Missbrauch von Marktmacht“, lautet der Vorwurf in beiden Fällen. Die Unternehmen nutzten ihre dominante Position in ihren jeweiligen Märkten aus, um Wettbewerb zu unterdrücken. Wenn es für die Firmen schlecht läuft, könnte Brüssel Strafen in Milliardenhöhe verhängen.

Der Kommission gebührt für ihren Mut Respekt. Wettbewerbsverfahren sind eine langwierige, kraftzehrende Angelegenheit. Unternehmen wie Google und Gazprom haben schier unbegrenzte Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen.

In Bezug auf den russischen Gaskonzern ist überdies bemerkenswert, dass Brüssel nicht aus übergeordneten politischen Gründen von einer Verschärfung des Wettbewerbsverfahrens Abstand genommen hat. Das Verhältnis der Europäer zu Russland ist angesichts des Ukraine-Konflikts bereits ruiniert, das Vorgehen gegen Gazprom dürfte die Dinge eher komplizierter als einfacher machen. Doch hier geht es darum, einen zentralen Pfeiler der Union zu schützen: das Funktionieren des gemeinsamen Marktes. Dafür muss man notfalls Krach mit ausländischen Konzernen und Regierungen in Kauf nehmen.