Die Solidarität mit Griechenland aufzukündigen, gilt in Deutschland als politisch inkorrekt. Als Wirtschaftsminister Philipp Rösler im vergangenen Jahr eine geordnete Insolvenz Athens ins Gespräch brachte, fielen die anderen Parteien über den Liberalen her. Jetzt empfahl Innenminister Hans-Peter Friedrich, CSU, Griechenland sogar den Austritt aus der Euro-Zone. Umgehend meldeten sich auch aus den eigenen Reihen empörte Stimmen zu Wort.

Bleiben wir realistisch. Griechenland wird es auch mit dem zweiten Hilfspaket nicht schaffen, auf die eigenen Beine zu kommen. Der geplante Schuldenschnitt reicht nicht aus, die Reformen kommen nicht in Gang, das Land wird kaputtgespart. Finanzminister Schäuble schließt nicht aus, dass bald neue Hilfspakete geschnürt werden müssen. Denn ein wichtiges Mittel zur Gesundung fehlt Griechenland: die eigene Währung. Hätte Athen eine, könnte das Land sein Geld abwerten, um so auf dem Weltmarkt billiger zu werden. Eine schwache Währung kann wie ein riesiges Konjunkturprogramm wirken.

Um eine Aufkündigung der Solidarität mit Griechenland geht es bei einem Austritt aus der Euro-Zone eben gerade nicht. Denn auch in diesem Fall kann Griechenland auf Hilfe der EU-Partner rechnen. Am Ende könnte die Rettung billiger werden und – was wichtiger ist – für die Griechen nicht ganz so schmerzhaft sein.