Berlin - Der maßgebliche Kommentar kam von der politischen Konkurrenz. Und er war alles andere als böse gemeint. „Das ist ein herber Verlust an Sinn und Verstand für die Linkspartei“, sagte der Politische Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, über den Rücktritt seines linken Kollegen Matthias Höhn, dem er für „die hervorragende Zusammenarbeit“ dankte. Kellner meinte es so, wie er es sagte. Und doch ließ sich mehr daraus lesen. Eine Kritik. Nicht an Höhn, sondern an der Linken.

Während Höhn mit dem Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch befreundet ist und mit der ihm inhaltlich eher fernstehenden Co-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht am Schluss einen, wie er sagt, professionellen Umgang pflegte, war das Verhältnis zu den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger zerrüttet.

Uneingeschränkte Solidarität erwartet

Hier war die Zusammenarbeit alles andere als hervorragend. Denn je mehr Kipping und Riexinger durch das mindestens robuste Agieren Wagenknechts in die Defensive gedrückt wurden, desto mehr erwarteten sie von dem 42-Jährigen uneingeschränkte Solidarität und verübelten ihm jede mutmaßliche oder tatsächliche Abweichung. So geriet Höhn zwischen die Mühlsteine einer teils neurotischen Vierecks-Beziehung und suchte konsequent das Weite.

Der Scheidende mag dies verschmerzen. Er hat einen klaren Kopf, handwerkliches Geschick, rhetorisches Talent und einen spöttischen Humor, der von der Distanz zum eigenen Laden lebt und diesem insgesamt manchmal gut täte. Höhn dürften im Bundestag nun andere Wege offen stehen – wenngleich die Verhältnisse in der Fraktion ähnlich intrigant sind wie jene in der Partei. Dort sind Kipping, Riexinger, Wagenknecht und Bartsch ja ebenfalls vertreten.

Ein überflüssiger Rückzug

Ob die Linke den Abgang verschmerzt, ist ungewiss. Nicht jede oder jeder kann aus dem Stand eine Partei managen, sei es auch eine kleine. Noch weniger kann jede oder jeder aus dem Stand einen Wahlkampf organisieren, sei es auch ein kleiner.

Höhns Rückzug jedenfalls ist aus Sicht der Linken so überflüssig wie ein Kropf und allein der Tatsache geschuldet, dass sich Teile der Führung menschlich nicht im Griff haben – nicht zum ersten Mal in den letzten zehn Jahren. Es ist der vermeidbare Verlust einer Partei ohne Sinn und Verstand.