Berlin - Nun hat Horst Seehofer dem Unionsstreit um die Flüchtlingspolitik also ein weiteres Kapitel angefügt. Er hat seinen Rücktritt ins Spiel gebracht, um nun doch nochmal mit der CDU zu verhandeln – zum x-ten Mal und obwohl er das letzte Gespräch mit Angela Merkel als sinnlos bezeichnet hat. Es ist die typische Gänseblümchen-Taktik des Horst Seehofer: Er geht, dann geht er doch nicht. So war es auch schon als es um den Job des bayerischen Ministerpräsidenten ging.

Es ist auch diesmal wieder der Versuch, Zeit zu gewinnen. Die CSU muss schließlich aus einem Schlamassel herausfinden, in das sie sich selbst mit größtem Eifer seit mehreren Wochen immer tiefer hineingedreht hat. Das liegt daran, dass das Wort „Kompromiss“ in der Welt des Führungstrios aus Seehofer, Alexander Dobrindt und Markus Söder nicht vorzukommen scheint. Das Entscheidungsdatum 1. Juli hatten die drei selbst gesetzt – um an diesem Tag festzustellen, dass die Begeisterung in den eigenen Reihen über den totalen Konfrontationskurs sich in Grenzen hält und die CDU die bayerischen Muskelspiele mittlerweile ziemlich geschlossen pariert.

Die totale Unfähigkeit der Union im Umgang miteinander

Seehofer hat nun durch seine Rücktrittsankündigung verhindert, in der CSU die Vertrauensfrage für seine Politik stellen zu müssen. Er hat vermieden, umsetzen zu müssen, was er angekündigt hat: die Zurückweisung von Flüchtlingen an der deutschen Grenze. Er hat verhindert, dass Merkel ihn deswegen wie angekündigt abmahnt oder aus dem Kabinett schmeisst. Er hat sich eine erneute Ergebenheitsadresse seiner Parteikollegen abgeholt, die sich einen Rücktritt zumindest teuer abkaufen lassen wollen. Gelöst ist auf diese Weise nichts.

Die totale Unfähigkeit der Union im Umgang miteinander, die die Regierungsarbeit seit Wochen bestimmt und behindert, besteht fort. Eine raffinierte Taktik lässt sich hinter all dem schon lange nicht erkennen. Und es ist schon fast tragisch komisch, wie Seehofer sich immer wieder desselben Instrumentariums der Drohung und des Widerrufs der Drohung bedient. 

Festzuhalten bleibt, wie die Sache das letzte Mal ausgegangen ist: Seehofer hat seinen Job verloren.