Die Bilder, die die zugleich blindwütige wie gezielte Zerstörung vorislamischer Kulturgüter in Irak zeigen, tragen unten rechts eine kleine Signatur. „IS Video“ steht da, als gelte es, das Copyright zu schützen. Die Terrororganisation Islamischer Staat achtet auf Markenidentität. Der Terror kommt nicht nur als größtmöglicher Schrecken daher, sondern beansprucht Produkt-authentizität. Der religiöse Fundamentalismus des IS präsentiert sich so im Gewand eines räuberischen Kapitalismus, der ausdrücklich darauf Wert legt, modern zu sein.

In diesem Sinne muss man auch die Nachricht verstehen, der zufolge die nigerianische Terrororganisation Boko Haram dem IS die Treue geschworen hat. „In schwierigen wie in guten Zeiten“, heißt es in einem den Bündniskitsch betonenden Jargon. Der Terror als strategische Partnerschaft einer gewaltfixierten Bewegung, die dem eigenen Regionalismus entkommen will und als länderübergreifender Panislamismus in Erscheinung tritt.

Das obszöne Selbstmarketing eines multinationalen Konzerns sollte man unbedingt ernst nehmen. Viel zu lange ist der Terror der Boko Haram als nigerianisches Phänomen betrachtet worden. Die plakative Fusion der Terrororganisation erhöht nicht unbedingt die tatsächlichen Gefahren. Umso mehr aber zeigen sie, dass der islamistische Terror permanent darauf aus ist, im Gespräch zu bleiben.