Berlin - Der bayerische Regisseur Helmut Dietl, wenn er denn noch leben würde, hätte daraus vielleicht eine Satire gemacht. Arbeitstitel: „Allahu Akbar. Ein Islamist beim Verfassungsschutz.“ In der Hauptrolle Gerhard Polt. Dass sich ein solcher Islamist beim Inlandsgeheimdienst einschleichen konnte, ist in der Wirklichkeit gleichwohl überhaupt nicht lustig, sondern ein ernst zu nehmender Vorfall.

Sicher, dass Geheimdienste unterwandert werden, liegt in der Natur der Sache. Einerseits. Man nennt das auch Gegenspionage. So schmuggelte vor gar nicht allzu langer Zeit ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes haufenweise Dokumente aus der Behörde und übergab sie dem ja eigentlich befreundeten amerikanischen CIA. Der Mann wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Manchmal verwischen auch die Grenzen zwischen Verfassungsschützern und Verfassungsfeinden – im Thüringen der 90er Jahre etwa, als rechtsextremistische V-Leute wie Tino Brandt wohl auch aus klammheimlicher Sympathie mit viel Geld gesponsert wurden, Geld, das sie hinterher in die Neonazi-Szene reinvestierten.

Trotzdem hätte es der jetzt enttarnte Islamist niemals ins Bundesamt schaffen dürfen. Denn vom Islamismus geht in Deutschland die größte Gefahr für Leib und Leben von Menschen aus, wenn auch nicht für die Demokratie insgesamt. Und offenkundig hat die Spionageabwehr in diesem Fall nicht funktioniert. Zu fragen ist: Welche vertraulichen Informationen hat der Mann erlangt? Und welche Informationen hat er unter Umständen weiter gegeben? Handelt es sich tatsächlich um einen Einzelfall. Schließlich: Wie lässt sich eine Wiederholung verhindern?

Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass sich Extremisten anderer Couleur ebenfalls im Apparat einnisten. Die grüne Innenexpertin Irene Mihalic nennt diese Vorstellung zu recht „beängstigend“.