Kommentar zu Kindern an echten Waffen: Soldaten und Eltern haben versagt

Berlin - Seit Jahrzehnten diskutieren Eltern, Pädagogen und Kinderpsychologen kontrovers darüber, welche Auswirkungen Spielzeugwaffen in Kinderzimmern haben. Bislang sind aber weder Spielzeug-Pistolen noch Plastik-Schwerter verboten; Erfahrungen und die allermeisten Expertenmeinungen gehen davon aus, dass ein Umgang damit keine gewalttätigen Neigungen auslöst.

Am „Tag der Bundeswehr“ im baden-württembergischen Stetten am vergangenen Samstag wurde jedoch eine Grenze weit überschritten. Die Deutsche Friedensgesellschaft DFG-VK veröffentlichte am Montag Fotos, auf denen teilweise kleine Kinder mit Handfeuer-Waffen spielten. Ein Kind bestaunt ein Scharfschützengewehr vom Typ „G28“, ein anderes hat eins der umstrittenen „G36“-Gewehre in der Hand. Es sind Bilder, die man bislang höchstens aus Krisengebieten kennt.

Auch Eltern in der Verantwortung

Natürlich haben die Eltern am vergangenen Samstag ihre Verantwortungspflicht verletzt. Die Kinder selbst - teilweise den Babyschuhen gerade entwachsen und von einer natürlichen Neugier getrieben - können keine rationale Entscheidung  treffen. Da ist auch das Verantwortungsbewusstsein der Erziehungsberechtigten gefragt.

Nicht zuletzt stehen aber die Veranstalter des Werbeevents in der Pflicht: Ein Erlass des Bundesministeriums für Verteidigung aus dem Jahr 2011verbietet es Soldaten, Personen unter 18 Jahren bei Armee-Veranstaltungen an Handfeuerwaffen zu lassen. Gegen diese Vorschrift wurde am Samstag ganz offensichtlich massiv und mehrfach verstoßen. „Sollte sich dieses bewahrheiten, wäre es ein eindeutiger Verstoß gegen bestehende Vorschriften der Bundeswehr“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag, nachdem Kritik aus nahezu allen Lagern laut geworden war.

Dieses Verhalten muss nun Konsequenzen haben. Der Versuch der Streitkräfte, Nachwuchs für die eigenen Reihen zu begeistern, sollte sich in Zukunft auf andere Maßnahmen beschränken. Denn auch wenn sich Kinder in ihren Zimmern ohnehin mit Plastik-Pistolen „bekriegen“: Kinderhände gehören nicht an echte Waffen.