Man konnte sich in den vergangenen Wochen des Eindrucks nicht erwehren, Oskar Lafontaine habe mal wieder eine diebische Freude daran gehabt, die Republik über seine Pläne spekulieren zu sehen. Das Zaudern und Zocken macht ihm seit jeher Spaß. Es ist eine Konstante der Lafontaine’schen Biografie. Nur die Linke sah dabei zuletzt zweimal ziemlich bedeppert aus. Mit dem Saarländer schien es nicht zu gehen. Ohne ihn ebenso wenig. Es ist gut, dass der 69-Jährige nun verzichtet.

Zwar hätte er im Westen noch Stimmen gezogen. Doch die Kollateralschäden wären größer gewesen. So hätte Lafontaine de facto als Spitzenkandidat fungiert, ohne dass irgendjemand ihn dazu auserkoren hat. Es wäre unweigerlich zu einem Wiederaufflammen des Konkurrenzverhältnisses mit Gregor Gysi gekommen.

In der neuen Fraktion schließlich wäre der Ex-Parteichef ein Machtfaktor gewesen, ohne den über die künftige Führung nicht hätte entschieden werden können. Zu allem Überfluss hätte er sich dem Verdacht ausgesetzt, gar nicht für volle vier Jahre anzutreten. Lafontaine ist für die Linke eigentlich, was die Deutsche Bank für das deutsche Finanzsystem ist: too big to fail. Doch umgekehrt gilt: Neben ihm kann Neues nicht wachsen.

So geht die bundespolitische Karriere eines begabten Politikers fast nebenbei und etwas klanglos zu Ende. Das Zaudern hat dieser Karriere selten gutgetan.