Das war überfällig. Lufthansa-Chef Christoph Franz geht endlich das defizitäre Geschäft mit Direktflügen in Europa an. Zu lange hatten die Manager gehofft, die Sache werde sich durch Pleiten von Billigfliegern selbst erledigen. Da haben sie die Konkurrenten falsch eingeschätzt. Easyjet etwa hat bewiesen, dass Lost-Cost-Carrier dauerhaft profitabel arbeiten können , auch in Krisenzeiten. Was Franz jetzt angeht, ist so etwas wie ein letzter Versuch, in dem extrem harten Geschäft mit der Tochter Germanwings im Kurz- und Mittelstreckenflügen in Europa zu bestehen. Geht es schief, wird der Konzern in zwei oder drei Jahren kontinentale Direktflüge komplett streichen und nur noch an den großen Drehkreuz-Flughäfen operieren.

Wie wird sich Germanwings positionieren? Schon jetzt ist erkennbar: So billig wie Ryanair oder Easyjet – die reinrassigen Billigflieger haben einen riesigen Erfahrungsvorsprung in puncto Optimierung der Kosten, der auf absehbare Zeit nicht aufgeholt werden kann. Germanwings braucht ein anderes Konzept. Es muss gelingen, eine Art Premium-Billigflieger durchzusetzen. Das gibt es bislang nicht. Und niemand weiß, ob so etwas überhaupt funktionieren kann. Klar ist nur: Auf den Service kommt es an. Der kann nur gut sein, wenn Germanwings seine Leute fair bezahlt. Arbeitnehmervertreter, die in den nächsten Wochen hart verhandeln, schaffen deshalb die Voraussetzungen zum Gelingen des Experiments.