Es ist schon erstaunlich, wie sehr der Sommer 2015, wie sehr die Flüchtlingsfrage und in der Folge auch das schwierige Verhältnis Deutschlands zur Türkei, das Verhältnis auch der Europäischen Union zu Erdogan ein Fernsehduell zur Bundestagswahl dominieren können. Es vergingen 30 Minuten, und kein anderes Thema war in Sicht. Es vergingen 45 Minuten, und kein anderes Thema war in Sicht.

Nach 60 Minuten tauchte am Horizont dann Donald Trump auf, aber Merkel und Schulz lenkten –  gemeinsam übrigens – die Frage gleich wieder auf Erdogan.

Das alles ist ja wichtig, in manchem existenziell für Deutschland. Keine Frage, da erwarten die Wähler Antworten. Zumal dann, wenn die Fragen, vor allem jene von Claus Strunz, immer wieder aus dem Fragenkatalog der AfD entstammten. Da ist es schon interessant zu hören, was Kanzlerin und Kandidat zu den Fragen zu sagen haben, die wohl vor allem jene Wähler oder Nichtwähler stellen, die beide – Schulz und Merkel – bislang nicht von ihrer Politik überzeugen konnten.

Aber kann das wirklich alles sein, eine Debatte über die Türkei, die Flüchtlingsfrage und im Speziellen darüber, ob mit der Türkei nun in Richtung Europa weiterverhandelt werden kann? Kann es wirklich sein, dass mehr als 60 Minuten dieses so hoch gehandelten Duells zur Wahl nur über ein bis eineinhalb Themen geredet wurde, über die eigentlich alles gesagt ist?

Kann es sein, dass danach noch ein bisschen über Diesel, die Rente mit 70 und die Maut geplänkelt wurde – dass ein Abend verschenkt wurde, weil er nicht ein Thema, das auch nur halbwegs in die Zukunft weist, aufgebracht hat? Ja, es kann sein, und so war es. Aber sollte man sich damit zufrieden geben? Nein, ganz bestimmt nicht.

Wenn in einem Fernsehduell der Spitzenkandidaten nicht einmal über Themen wie Bildung und Klimawandel geredet wird, wenn die Digitalisierung Deutschlands nur zweimal in Schlagworten fällt, dann hat der Abend sein Thema verfehlt. Und vermutlich auch die Themen vieler Wähler. Da kann man sich noch so sehr in Details vertiefen, wann Merkel und wann Schulz einen Punkt gemacht haben. Sie haben vor allem viele Punkte nicht gemacht, die in Zukunft wichtig wären.