Formal gibt es nichts zu mäkeln. Im Fall Carles Puigdemont versteckt sich die Bundesregierung hinter der Justiz und sagt, über die Auslieferung oder Nichtauslieferung des ehemaligen katalanischen Regionalpräsidenten nach Spanien hätten die Gerichte zu befinden. So ist das nun einmal in einem Rechtsstaat. 

Da hilft es auch nichts, nach Finnland zu gucken und neidisch festzustellen, dass sich die dortige Polizei womöglich geschickter angestellt hat als die deutschen Beamten. Die Finnen haben einfach gesagt, dass sie nicht wüssten, wo Puigdemont stecke – obwohl er sich in Helsinki auch mit Parlamentsabgeordneten getroffen hat, was nicht wirklich geheim bleiben konnte. Doch Deutschland hat sich den Vorgaben des EU-Haftbefehls unterworfen. Die deutsche Polizei musste Puigdemont also festsetzen, sobald sie seiner auf der Autobahn in Schleswig-Holstein ansichtig wurde. Sie hat sich aber offenbar auch große Mühe gegeben, seiner ansichtig zu werden. 

Dennoch wirkt es durchaus drollig, wie angestrengt die Bundesregierung den Anschein zu erwecken versucht, sie wolle das Problem nicht politisieren, sich zugleich aber doch klar auf die Seite des spanischen Zentralstaates schlägt. Wenn der deutsche Regierungssprecher sagt, der Konflikt um die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien müsse in Spanien gelöst werden, dann ist zwar auch das formal korrekt. Doch ausreichend ist das deswegen noch lange nicht. Die Festnahme Puigdemonts hat aus einem innerspanischen ein deutsches und ein europäisches Problem gemacht. 

Europa muss als Ganzes erhalten bleiben

Von Deutschland, das sich zum Ziel gemacht hat, die Europäische Union zu reformieren, muss mehr kommen. Es ist nicht alleine damit getan, an der Seite des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu stehen und von der Notwendigkeit zu sprechen, dass Europa besser, gerechter und schlagkräftiger werden müsse. Europa wird das nur werden, wenn es als Ganzes erhalten bleibt. 

Diese Einheit aber ist bedroht durch den Konflikt zwischen den Katalanen und dem spanischen Zentralstaat. Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass dieser Streit ohne Vermittlung von außen nicht gelöst werden kann. Das wäre dann schon einmal eine neue Aufgabe für die EU-Reformer aus Deutschland und Frankreich, eine im besten Sinne politische Aufgabe, die dringend anzupacken wäre.