Was – zur Hölle – macht der da? Wer die Debatte im britischen Unterhaus im TV verfolgt hat, traute seinen Augen kaum. Jacob Rees-Mogg, Titel „Leader of the House of Commons“ und damit so etwas wie ein Vertreter des Premierministers im Parlament, fläzte sich in der ersten Reihe auf der grünen Lederbank und schloss die Augen. Zuvor hatte er noch zu den Abgeordneten gesprochen und deren Aufmerksamkeit beansprucht.

Die Lümmel-Pose passte so gar nicht zu seinem sonstigen Auftritt. Perfekt gekleidet, dunkler Zweireiher, blau-weiß gestreiftes Hemd, tadelloser Krawattenknoten, scharfer Seitenscheitel, dezente randlose Brille – schon fast klischeehaft britisch. Und dann dieses Verhalten, das eher an einen Halbstarken in der U-Bahn erinnerte.

Snob demonstriert seine Verachtung

Man mag dies für eine Kuriosität halten, denn die Debatte über den britischen EU-Austritt hat ja schon viele Kuriositäten zu Tage gefördert. Brexit-Hardliner Rees-Mogg gilt schon lange als schräger Snob mit viel Geld und noch mehr radikalen Positionen. Mancher fand das Nickerchen vielleicht auch amüsant, so wie das Auftreten des Speakers John Bercow.

Aber lustig war das nicht. Hier bricht ein Vertreter der britischen Regierung bewusst mit den Verhaltensregeln, um seine Verachtung des Parlaments zu demonstrieren, dessen Vertreter um die Stabilität des Landes fürchten. Redet nur, wir machen sowieso, was wir wollen – das ist Rees-Moggs Botschaft.

Und das ist ein Muster bei den neuen Radikalen von Trump in den USA über Bolsonaro in Brasilien, Strache in Österreich bis zu den AfD-Politikern hierzulande. Sie missachten die Konventionen, in Wirklichkeit missachten sie aber das demokratische System. Und das ist nicht amüsant, es ist höchst gefährlich.