Damit ist erstmals eine europäische Muttergesellschaft für Fehler ihrer Niederlassungen in einem Entwicklungsland haftbar gemacht worden.

Zwar wies das Haager Gericht vier ähnliche Klagen von Fischern und Bauern ab, weil Shell seine Anlagen in Nigeria nicht grundsätzlich gegen Sabotage schützen könne. In einem weiteren Fall aber befand Wien, dass die Shell Petroleum Development Company in Nigeria ihre Pipelines so nachlässig gesichert habe, dass sich ein Ventil mit einer bloßen Kneifzange habe öffnen lassen. Dafür muss Shell nun zahlen.

Urteil mit Folgen

Das Urteil hat für Europas weltweit agierende Konzerne weitreichende Folgen. Die Global Players können sich künftig nicht mehr auf eine lasche Umweltgesetzgebung in der Dritten Welt berufen oder im Zweifelsfall auf eine nachlässige Justiz in diesen Ländern hoffen. Wer bestellt, kassiert künftig nicht nur die Gewinne ab, er wird auch für mögliche Folgen in die Pflicht genommen. Wenn nicht vor Ort, dann in der Heimat. Europas Firmen müssen bei Geschäften im Ausland künftig stärker darauf achten, dass ökologische und soziale Standards eingehalten werden. Das Recht gilt für Europas Konzerne nicht nur in Europa.