Kommentar zu Syrien: Amnesty-Bericht über Gräueltaten als Verpflichtung für Europa

Den Charakter eines Regimes kann man sehr gut daran erkennen, wie es mit Gefangenen umgeht. Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International soll Syriens Regierung zwischen 2011 und 2015 bei Massenhinrichtungen rund 13.000 Menschen getötet haben. Die Opfer seien im berüchtigten Militärgefängnis Saidnaja bei Damaskus ohne rechtsstaatliche Verfahren hingerichtet worden, heißt es in dem Amnesty-Bericht.

Und: Bei den meisten der Getöteten habe es sich um Zivilisten gehandelt. Auch Folter und Vergewaltigung seien an der Tagesordnung gewesen.

Der syrische Diktatur Baschar al-Assad stellt sich auf diese Weise ein Zeugnis seiner eigenen Abartigkeit aus. Zugleich ist die Lage in dem Land ist unübersichtlich. Hier kämpft nicht einfach Gut gegen Böse, hier kämpft vielerorts Böse gegen Böse – und ein Bürgerkrieg ist es vor allem insofern, als er auf dem Rücken zahlloser Bürger ausgetragen wird.

Westliche Welt ist bislang gescheitert

All das und die unkalkulierbaren Risiken, die ein Eingreifen mit Bodentruppen für Amerikaner und Europäer hätten, haben dazu beigetragen, dass kein Ende des Grauens in Sicht ist. Die westliche Welt steht, was ihren Einsatz für die Menschenrechte in Syrien angeht, nackt da.

Solange wir für die vom Krieg geschundenen Menschen in Syrien wenig tun können, sollten wir es zumindest in unserem eigenen Land tun. Die Fluchtursachen bleiben bestehen, die Menschen werden weiter kommen. Wir müssen ihnen helfen.