Ungläubig blickt man nach Bayern, wo sich ein Fußballverein und dessen Führungsriege allem Anschein nach über die in unserem Land geltenden Usancen hinwegsetzen. Wo eine Fußballunternehmung wie ein Staat im Staate agiert und sein straffällig gewordenes Oberhaupt in Amt und Würden lässt, obwohl es in Anbetracht der Sachlage für den Moment eigentlich nur eine Konsequenz geben kann: den Rücktritt dieses Oberhauptes − und sei es fürs Erste ein vorübergehender.

Anders lässt sich die Meldung, wonach die Aufsichtsräte des FC Bayern München ihren steuersündigen Vorsitzenden Uli Hoeneß doch tatsächlich verschont haben, nicht interpretieren.

So stehen angesehene Manager wie Herbert Hainer von Adidas, Rupert Stadler von Audi oder aber auch Martin Winterkorn von VW, die allesamt Mitglieder des obersten Kontrollgremiums des deutschen Rekordmeisters sind, plötzlich unter dem Verdacht, mit zweierlei Maß zu messen.

Hier die eigene Firma, bei der man, wie Stadler es vor wenigen Tagen noch formulierte, stets auf ein „achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag“ achte. Dort der Freund und Interessensspezi, bei dem man ein Auge zudrückt und ein bisschen auf Zeit spielt, weil man ja nicht wissen kann, wie sich die Aufregung um einen Rücktritt des allmächtigen Hoeneß auf das Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund auswirken könnte.

Gemäß dem Motto: Mia san mia, mia san Amigos.