Die Aufregung war erheblich, jedenfalls bei den vereinsmäßig organisierten Kleintierzüchtern in diesem unserem Lande. Sie haben sich unheimlich geärgert über ein etwas flapsig rausgehauenes Bonmot von Papst Franziskus. Jetzt mal sinngemäß zusammengefasst: Die biblische Order „seid fruchtbar und mehret euch“ in allen Ehren, aber deswegen muss sich der gläubige, verheiratete Katholik nun nicht zwingend reproduzieren wie die Karnickel. Das sei doch etwas pauschal und vorurteilsbeladen, klagt die mächtige Lobby der Kaninchenzüchter.

Von diesem Aufstand der Randständigen einmal abgesehen, ist die Aufregung über den Papst-Satz (ein Satz, kein Dogma) eindeutig überhitzt. Franziskus wird nun ebenso wenig zum „Karnickel-Franz“, wie einer seiner Vorgänger in den späten sechziger Jahren zum „Pillen-Paul“ mutierte. Diesen Spitznamen trug Paul VI. nämlich zu Unrecht.

Der letzte italienische Papst mit längerer Verweildauer im Vatikan (1963 – 1978) hat nämlich in der Enzyklika „Humanae Vitae“ vor 47 Jahren das festgeschrieben, was der Südamerikaner Franziskus nun noch mal volkstümlich und bar jedes Theologen-Geschwurbels bekräftigte. Erstens: kein Sex vor, nach und neben der Ehe. Zweitens: grundsätzliche Offenheit der Eheleute fürs Kinderkriegen zwingend. Drittens: keine künstlichen Verhütungsmittel. Viertens: natürliche Familienplanung ist okay.

Wer also will, darf das Fieberthermometer rauspacken, die fruchtbaren Tage der Frau ermitteln, und an diesen Tagen den Rosenkranz beten und die Hände über der Bettdecke lassen. Jetzt mal sinngemäß zusammengefasst.

An Punkt vier, die natürliche und mit einer gewissen Fehlerquote behaftete Familienplanung, hat der Papst nun erinnert. Punkt drei gilt aber unverändert, auch das sagte der Pontifex.

In Europa, wo die kirchliche Sexualmoral selbst den meisten Messgängern schnuppe ist, wird sich diese Botschaft versenden.

In katholischen Entwicklungsländern wie den Philippinen, wo es noch nicht einmal eine zivilrechtliche Scheidung gibt, ist diese Erinnerung keine Kleinigkeit. Die griffige Formulierung ändert aber nichts am grundsätzlichen Dilemma der katholischen Fortpflanzungsdoktrin: Hier spricht ein Blinder von der Farbe.