Berlin - Das war ein desaströser Abend für Deutschland. Das Fußballspiel, das zu einem Symbol für den Widerstand gegen die Angststrategie der Terroristen werden sollte, ist zu einem Symbol der Niederlage geworden.

Es rächt sich nun die überhöhte Aufladung dieses Spiels, das zu einer Demonstration für Freiheit und Demokratie hochgeredet worden war.

Was ist es nun? Eine Demonstration der Angst und der Unfähigkeit, ein Fußballstadion zu schützen? Hier kriecht die freie Gesellschaft zu Kreuze vor den Drohungen der islamistischen Menschenfeinde. Einen größeren Triumph konnte man den Terroristen und ihren Anhängern kaum liefern.

Angst und Hilflosigkeit

Die Bundesregierung erklärt immer wieder, sie habe die Lage im Griff. Diesen Eindruck hat sie am Dienstagabend keinesfalls vermittelt, im Gegenteil. Angst und Hilflosigkeit lautete die Botschaft aus Hannover. Und die Nachrichten, die uns den Tag über erreichten, waren ebenfalls nicht dazu angetan, Vertrauen zu schaffen. Die mit großem Tusch verkündeten Festnahmen in Aachen erwiesen sich am Ende als Fehlschlag.

Es gibt wichtigeres als Fußball, hat Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag vor den Länderspielen gesagt. Das stimmt. Aber wenn man den Fußball so hochstilisiert zu einem Mittel im ideologischen, im mentalen Kampf gegen die Menschenfeinde, dann muss man dafür sorgen, dass diese Demonstration auch stattfinden kann.

Großbritannien hat es besser gemacht

Immerhin: Das viel symbolträchtigere Spiel der Fußballmannschaften Englands und Frankreichs in London hat stattgefunden, mit einer mächtigen Demonstration der Solidarität, dem Gesang der Marseillaise von 70 000 Menschen.

Die britische Polizei war in der Lage, diese erhoffte Botschaft an die Welt abzusichern: Wir lassen uns nicht kleinkriegen, wir stehen an der Seite der Franzosen – und haben auch noch Spaß am Fußball. Wie traurig, dass Deutschland das nicht fertig gebracht hat.