Berlin - Die OECD plädiert für hohe Steuern auf berauschende Getränke, um den Alkoholkonsum zu begrenzen. Ziel ist es, durch hohe Preise das Trinkverhalten der Bevölkerung zu steuern. Kann das gelingen? Sind nicht gerade skandinavische Touristen, die in ihren Heimatländern mit extrem hohen Alkohol-Steuern von unmäßigem Trinken abgehalten werden sollen, für hemmungslose Gelage berüchtigt? Befördert also  eine Hochsteuerpolitik am Ende sogar das Koma-Saufen?

Die Erfahrungen sprechen dagegen. So ist der Absatz von Alkopops in Deutschland stark zurückgegangen, nachdem 2004 eine Sondersteuer auf die alkoholhaltigen Mischgetränke eingeführt worden war. Auch die hohe Besteuerung des Suchtmittels Tabak hat gewiss dazu beigetragen, dass heute in Deutschland weniger junge Leute mit dem Rauchen beginnen als vor zehn oder 20 Jahren. Und schließlich trinken unsere nordeuropäischen Nachbarn, mancher Exzesse zum Trotz, im Schnitt deutlich weniger als die Deutschen: Während der hiesige Pro-Kopf-Verbrauch bei fast zwölf Litern reinem Alkohol im Jahr liegt, sind es in Norwegen, dem Land mit den höchsten Steuersätzen, weniger als acht Liter.

Hohe Preise, kombiniert mit strengeren Vorschriften für Werbung und öffentlichen Aufklärungskampagnen, könnten laut OECD auf lange Sicht das Leben vieler tausend Menschen retten. Das sollte Grund genug sein, über höhere Alkoholsteuern zumindest ernsthaft nachzudenken.