Ein 17-Jähriger nähert sich dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy unter dem Vorwand, ein Selfie machen zu wollen – und dann schlägt er ihm plötzlich mit der Faust ins Gesicht.

Dieser Vorfall ist ein Beispiel für eine Verrohung im Umgang mit Politikern, wie sie auch in Deutschland zu beobachten ist. Als Beleg dafür braucht es noch nicht einmal den Hinweis auf das fürchterliche Attentat gegen Henriette Reker, die nach der Messerattacke im Wahlkampf zum Glück genesen ist und das Amt als Kölner Oberbürgermeisterin antreten konnte.

Man denke etwa nur an Markus Nierth, den Bürgermeister von Tröglitz, der sich für die Unterbringung von Flüchtlingen einsetzte. Und der schließlich zurücktrat, weil er sich und seine Familie vor Bedrohungen durch Rechtsextremisten nicht ausreichend geschützt sah.

Deutschland zeigt in Zeiten der Flüchtlingskrise unterschiedliche Gesichter. Da ist eine beeindruckend vitale Zivilgesellschaft, da sind Menschen, die unter großem persönlichen Einsatz helfen, Flüchtlinge zu betreuen und zu versorgen. Und da sind Menschen, die etwa Hassbriefe an Politiker schreiben. Oder noch Schlimmeres tun. Wer aber möchte sich noch in der Politik engagieren, oft ehrenamtlich und unter hohem Zeitaufwand, wenn so mit ihm umgegangen wird?

Das Großartige an der Demokratie ist, dass sie zahlreiche Wege bietet, Kritik fair und zivilisiert anzubringen – unabhängig davon, ob sie berechtigt oder schwachsinnig ist. Jene Menschen, die von der Bevölkerung gewählt werden, sind Volksvertreter – wenn auch, und das vollkommen zu Recht, immer auf begrenzte Zeit.

Wer einem solchen Volksvertreter mit der Faust ins Gesicht schlägt, der richtet die Faust letztlich gegen sich selbst. Er ist nur zu dumm oder unempfindsam, den Schmerz zu bemerken.