Berlin - Es war keine Lappalie, was in der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) geschah: Dessen Leiterin sowie drei bis vier Angestellte manipulierten jahrelang Asyl-Entscheidungen, mehr als 2700 Fehler deckte eine Prüfkommission auf, wie der Bundestages nun erfuhr.

Es muss allen klar sein, dass solche Fehler nicht passieren dürfen, erst recht nicht absichtlich. Auch dass die Leiterin, sollte sie sich schuldig gemacht haben – was bislang nicht abschließend geklärt ist – bestraft werden muss, ist keine Frage.

Unnötige Hysterie

Zugleich wirft dieser Abschlussbericht ein fragwürdiges Licht auf die Hysterie, in die Politik und Medien nach der Aufdeckung der Bremer Missstände bundesweit verfielen. Der Schaden besteht darin, dass 145 Menschen aus wirtschaftlicher Not statt wegen politischer Verfolgung Unterschlupf fanden.

Und dass 26 Syrern und Irakern zu Unrecht gewährtes Asyl aberkannt wurde. Nur gegen bundesweit einen Amtsträger wird damit überhaupt noch ermittelt.

Die Aufregung beschreibt den Zustand der Republik

Ist es wirklich denkbar, dass Manipulationen einer Behördenleiterin, sagen wir des Umweltbundesamtes die Republik wochenlang in Atem halten? Dass Fehler von vier Beamten Zehntausende Aktenkontrollen in ganz Deutschland und die Entlassung ihrer Bundeschefin auslösen?

Oder, noch simpler: Hätte diese wochenlange Hysterie auch eingesetzt, wenn die fünf Entscheider absichtlich besonders viele Asyl-Ablehnungen herbeimanipuliert hätten?

So richtig es ist, dass nach dem Bremer Skandal strukturelle Mängel behoben werden – wer ehrlich ist, weiß: Diese Aufregung sagt mehr über den Zustand der Republik aus als über das Ausmaß der Missstände im Bamf.