Berlin - Die Definition von Wahnsinn sei, besagt ein bekanntes Zitat mit unbekanntem Urheber, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Der Bundestag hat nun im Eiltempo, also ohne breite gesellschaftliche Debatte beschlossen, auf den bestialischen Terror in Paris mit der Unterstützung eines Luftkriegs zu reagieren – der in seiner Zielsetzung den Luftkriegen in Afghanistan, Irak und Libyen gleicht. Schon dort wurde weder die Demokratie herbei-, noch der Terror hinfortgebombt. Im Gegenteil: Westliche Bomben haben sich als bestes Rekrutierungsmittel der Dschihadisten erwiesen. Auch der IS befand sich in seiner Weltsicht schon vor den Pariser Anschlägen im Krieg mit Frankreich, immerhin bombardierten die Franzosen sein Gebiet schon seit September. Diese Weltsicht bestätigt der Westen nun, indem er den Krieg eskaliert – und das sogar ohne klares Kriegsziel; ohne politischen Plan für Syrien.

Krieg erschwert die politische Lösung

Dass es darüber sogar innerhalb der nun indirekt Verbündeten verschiedenste Meinungen gibt, spricht besonders dagegen, nun auch noch die Bundeswehr in dem Schlammassel mitmischen zu lassen. Arbeiten plötzlich wirklich alle gemeinsam gegen den IS? Syriens Regierungsarmee mit der Assad-Opposition, die einander bislang bekriegten? Putin, der vor allem Assad stützt, mit Erdogan, der nebenbei mit den Kurden aufräumt, die Deutschland zugleich aufrüstet?

Der russisch-türkische Streit um den Bomberabschuss zeigt, wie der Krieg eine politische Lösung erschwert. Zugleich gibt Deutschland seine bisherige Rolle als allmählich erfolgreicher werdender Vermittler einer diplomatischen Lösung zwischen allen Beteiligten auf. Dabei wäre das doch die beste Verteidigung westlicher Werte gewesen.