Wenn Politiker von internen Macht- und Grabenkämpfen ablenken wollen, rufen sie gerne zur Rückkehr auf die Sachebene auf. Im Asylstreit der Union ist das die zugleich absurdeste und heuchlerischste Forderung. Der CSU ging es von Anfang an nicht um die Sache. Ihre Führungstroika aus Horst Seehofer, dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wollte Angela Merkel loswerden. Die CSU-Spitze wollte den Skalp der Kanzlerin, um bei der bayrischen Landtagswahl zu triumphieren. Anders ist nicht zu erklären, warum sich der Streit um die Zurückweisung von Asylbewerbern in den vergangenen Wochen so dramatisch zuspitzte.

Noch vor wenigen Tagen proklamierte Söder den Verzicht auf Kundgebungen mit der CDU-Vorsitzenden im Landtagswahlkampf. Da war das taktische Kalkül hinreichend klar. Jetzt heißt es anklagend, die CDU-Führung unterstütze die wahlkämpfende Schwesterpartei nur ungenügend. Und Bundestags-Vize Hans-Peter Friedrich, der als Ex-Innenminister mit einem persönlichen Trauma als Merkel-Geschädigter durch den politischen Betrieb läuft, schafft es gar, Merkel einen Mangel an Loyalität zu Seehofer als dem „Getreuesten ihrer Getreuen“ vorzuhalten. Das ist so lächerlich, dass es jeden politisch halbwegs wachen Bürger ärgern muss. Für wie dumm will die CSU das Land verkaufen?

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.