Was haben sie den britischen Wählern nicht alles versprochen. Das Königreich werde nach mehr als 40 Jahren unter Brüsseler Knute seine Souveränität zurückgewinnen. Mitgliedbeiträge für die EU in Milliardenhöhe würden frei und könnten ins marode Gesundheitswesen gesteckt werden.

Die Unternehmen des Landes würden über Nacht von regulatorischen Fesseln befreit und könnten dank großartiger Freihandelsverträge mit dem Rest der Welt fortan ganz vorne mitspielen in der globalen Ökonomie.

Großbritannien läuft die Zeit davon

Etwas mehr als zwei Jahre liegt das britische Brexit-Votum nun zurück, in ziemlich genau einem halben Jahr wird Großbritannien die Europäische Union verlassen. Auf der Insel hat sich längst Panik breit gemacht. Fast flehentlich bat die britische Premierministerin Theresa May beim informellen EU-Gipfel in Salzburg gerade ihre kontinentaleuropäischen Kollegen, doch auf sie zuzugehen und einen harten, ungeregelten Austritt abzuwenden. 

Viel Zeit bleibt nicht mehr für die Verhandlungen. Wahrscheinlich wird die EU im November einen Sondergipfel anberaumen, um die Modalitäten der Trennung zu besiegeln. Der ganze Vorgang ist ein Trauerspiel.

Ein chaotischer Brexit wäre auch nicht im Interesse der EU. Deshalb sei folgende Prognose gewagt: Am Ende wird es eine Übereinkunft geben – insbesondere mit Blick auf die ungelöste Grenz-Frage auf der irischen Insel. Viel unwahrscheinlicher ist, dass die Briten mit ihrer Idee durchkommen, irgendwie doch Teil des europäischen Binnenmarkts bleiben zu können.

Es ist erstaunlich, wie standhaft die 27 übrigen Mitgliedsstaaten hier bislang sind. Die Briten haben sich verzockt. Die Folgen werden noch auf Jahrzehnte hinaus zu spüren sein, und zwar beiderseits des Ärmelkanals. Für Häme gibt es keinen Grund.