Kommentar zum Kindergeld für EU-Ausländer: Sigmar Gabriel wagt einen heiklen Vorstoß

Berlin - Nicht der Vorstoß ist überraschend, sondern dessen Urheber. Sigmar Gabriel, Vorsitzender der SPD, fordert, das Kindergeld für Kinder jener Eltern zu beschneiden, die in Deutschland arbeiten und ihre Kinder in der Heimat zurücklassen. Es stimmt schon, dass die Lebenshaltungskosten in Bulgarien oder Rumänien niedriger sind. Immerhin wurden 2016 Leistungen für rund 185 000 im EU-Ausland lebenden Kindern ohne deutsche Staatsangehörigkeit ausgezahlt.

Das wesentliche Problem an Gabriels Vorstoß ist ein prinzipielles. Denn die EU ist so schwach wie nie. Die Briten wollen sie verlassen. In Frankreich, den Niederlanden, Polen, Österreich und Ungarn gibt es starke nationalistische Kräfte. Wenn auch der Vorsitzende der zweitgrößten deutschen Partei den Eindruck erweckt, als sei die EU etwas, aus dem vor allem andere ihre Vorteile ziehen, dann ist das heikel. Tatsache ist jedoch, dass knapp 60 Prozent der deutschen Exporte in die EU gehen. Sie bringt uns weit mehr, als sie uns kostet. Und zum Binnenmarkt gehört die Freiheit für Waren, Dienstleistungen – und Menschen. Man würde auch deshalb gern mal wissen, was Gabriels Konkurrent um die Kanzlerkandidatur, der einstige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, von dem Vorstoß hält. Vermutlich nicht viel.