Die rechtsradikale AfD-Politikerin Beatrix von Storch wird missverstanden. Sie hat sich keineswegs darüber erregt, dass die Kölner Polizei zum Jahreswechsel nicht nur auf Deutsch, Englisch und Französisch, sondern auch auf Arabisch getwittert hat. Was sie stört, ist selbstverständlich nicht die Sprache, sondern die Botschaft, die mit ihr verbreitet wurde. Beatrix von Storch ist eine traditionsbewusste Frau, bis heute hat sie den ideologischen Dunstkreis ihre Großvaters Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk – NS-Finanzminister und verurteilter Kriegsverbrecher – nicht verlassen.

Hätte er die Ausplünderung und Enteignung der europäischen Juden nicht nur in deutscher, sondern auch in hebräischer Sprache betrieben, hätte sich mancher Nationalsozialist verwundert die Augen gerieben, aber vielleicht Verständnis gezeigt: Denn nicht auf die Sprache, sondern auf die Botschaft kommt es an. Sie lautete damals: Hass und Habgier.

Was war nun die Botschaft der Kölner Polizei, die sie zu Neujahr in vier Sprachen verkündet hat? Es waren Neujahrsgrüße. Freundlich und sachlich hat sich die Polizei an die Bevölkerung – darunter mehr als eine Million in Deutschland lebender Staatsbürger aus arabischen Staaten – gewandt, nicht pöbelnd, nicht beleidigend, in vier Sprachen, mit nur einer Botschaft: Es war die Botschaft der Zivilgesellschaft.

Das ist die Botschaft, die in keinem Land der Welt von Extremisten gehört wird, auch nicht in Deutschland, auch nicht von AfD-Politikern wie von Storch, Alice Weidel, Alexander Gauland, Björn Höcke oder dem Dresdner Richter Jens Meier, der in seinen Kampf gegen „Mischvölker“  jüngst den Sohn Boris Beckers, Noah, mit der Beleidigung als „Halbneger“ – Graf Schwerin von Krosigk und seine Volksgenossen kannten nur die „Halbjuden“ – einbezogen hat. Das hätte kein Vollnazi rassistisch einwandfreier formulieren können.