Die Frauenzeitschrift Brigitte hat einen festen Platz, die Frankfurter Allgemeine Zeitung nicht. Radio Lotte Weimar kann garantiert berichten, die taz muss sehen, wo sie bleibt. War im ersten Versuch der Ablauf des Akkreditierungsverfahrens im Münchner NSU-Prozess absurd, so ist es nunmehr das Ergebnis.

Nicht eine einzige überregionale deutsche Tageszeitung – Bild ausgenommen – hat im Losverfahren einen festen Platz erhalten; unter den Medien, die mehr Glück hatten, sind solche, deren Reichweite sich von der Kirchturmspitze aus ermessen lässt, und solche, von denen eine seriöse, kontinuierliche Prozessberichterstattung nicht zu erwarten, nicht einmal zu erhoffen ist. Das ist unbefriedigend und ärgerlich, aber juristisch – soweit zu erkennen – ist es kein Problem.

Übervorsicht des Oberlandesgerichts

Das Problem war von Anfang an und ist bis heute ohnehin ein anderes. Es liegt in der Übervorsicht des Oberlandesgerichts (OLG), das um keinen Preis eine erfolgreiche Revision riskieren will und sich darum weigert, die Verhandlung per Video in einen Arbeitsraum für Journalisten zu übertragen.

Das Risiko, dass das Bundesverfassungsgericht die Übertragung verbieten würde, ist lächerlich gering verglichen mit dem Verdruss, den die kuriosen Versuche des Münchner Gerichts, den Platzmangel zu gestalten, in den vergangenen Wochen verursacht haben. Das Akkreditierungsverfahren ist seit gestern beendet. Der Verdruss wird bleiben.