Berlin - Es gärt schon länger, etwas läuft falsch bei der Studienplatzvergabe für Humanmediziner. Dass das Verfahren nicht ganz mit dem Grundgesetz vereinbar ist, hat am Dienstag nun das Bundesverfassungsgericht geurteilt. Neben der Abiturnote müssen Hochschulen künftig ein weiteres obligatorisches, nicht notenbasiertes Zulassungskriterium anwenden, entschieden die Richter. Und das ist gut so.

Denn bislang war es doch so: Die zentrale Studienplatzvergabe mit dem Numerus Clausus (NC) als Mittel sollte die Nachfrage regeln und Studienplätze gerecht verteilen – die Note sollte als faires und objektives Instrument herhalten und die viel zu vielen Bewerber auf die zu wenigen Plätze verteilen.

In Deutschland fehlen Ärzte

Wessen Abiturnote nicht mindestens einen hervorragenden Schnitt von 1,2 aufweist erhielt in Deutschland kaum die Chance, sich in dem Beruf eines Humanmediziners überhaupt nur auszubilden zu lassen. Zwar wird ein Anteil der Plätze über Wartezeiten vergeben, doch sind die mittlerweile zumeist länger als das Studium selbst.

Künftig nun sollen die Motivation, wie auch die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten stärker bewertet werden. Die Abiturnote wird dadurch zumindest anteilig weniger gewichtet. Das kann nur positiv sein. Denn einzig Fleiß und gute Noten machen noch keinen Arzt aus. Jedenfalls keinen guten.

Motivation zeigen können auch Einser-Abiturienten

Hinzu kommt ein anderer Punkt: Auf der einen Seite fehlen in Deutschland Ärzte – viele erfolgreiche Absolventen des Medizinstudiums gehen gar nicht erst in die Praxis – auf der anderen Seite erhalten hochmotivierte junge Frauen und Männer nicht die Möglichkeit, ein Medizinstudium überhaupt anzutreten.

Wenn die Motivation, später als praktizierender Arzt tätig zu sein, bereits beim Auswahlprozess stärker gewichtet wird, könnte womöglich auch so schon dem gravierender werdenden Ärztemangel hierzulande ein Stück weit entgegengetreten werden. Ein schöner Nebeneffekt. Und Motivation zeigen können ja durchaus auch Einser-Abiturienten.

Was das Urteil nicht leisten kann, ist überhaupt mehr Kapazitäten zu schaffen. Momentan kommen auf 9 200 Studienplätze etwa 43 000 Bewerber. Die Anzahl der Medizinstudienplätze aufzustocken, wäre nun der nächste notwendige Schritt.