Die Revolution ist ausgefallen auf dem Parteitag der CDU. Reihenweise haben sich Angela Merkels Kritiker vor der Chefin verbeugt.

Und nach ihrer Rede bejubelten die Delegierten die Kanzlerin wie schon ganz lange nicht mehr. Beigetragen hat dazu einiges: Der CSU-Parteitag, auf dem Horst Seehofer Grundregeln des Umgangs vergaß, erzeugte in der CDU Trotz; der SPD-Parteitag, der den eigenen Vorsitzenden Sigmar Gabriel demontierte, war ein warnendes Beispiel. Doch: Das hätte längst nicht gereicht, wenn Merkel gepatzt hätte.

Mia-san-mia-Rede ganz eigener Art

Das hat sie aber nicht, im Gegenteil. Die Parteivorsitzende hielt eine furiose Rede, vielleicht die beste Rede ihrer Amtszeit. Ihr „Wir schaffen das“ stellte sie in die Tradition der Geschichte des Landes und der Partei, die den Wiederaufbau nach dem Krieg und die Wiedervereinigung bewältigt haben. Dem Vorwurf, es fehle ihr an Weitblick, setzte sie einen Appell zu Mut und weniger Verzagtheit entgegen.

Sie packte ihre Parteifreunde an der Ehre. Es war eine Mia-san-mia-Rede ganz eigener Art, die nicht das Verharren im Althergebrachten zum Wert aufbaute, sondern die Bereitschaft, Veränderungen mitzugestalten. Merkel hat das Selbstbewusstsein einer CDU definiert, die den Verlockungen eines Rechtsrucks widerstehen kann.