Kommentar zum Parteitag: Mit nur einem Thema kann die AfD nicht zur Volkspartei werden

Augsburg - Es könnte für die Alternative für Deutschland kaum besser laufen, auf den ersten Blick zumindest. Ihr großes Thema, die Flüchtlings- und Asylpolitik, beherrscht die politische Agenda, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Schon am Abend der Bundestagswahl hat Alexander Gauland angekündigt, dass die AfD die Bundesregierung jagen werde, und vor allem die Union lässt sich auch jagen. Die CSU übernimmt immer mehr Forderungen der Rechtspopulisten, und sie weiß ja mittlerweile halb Europa hinter sich. Die AfD zeigt sich also sehr selbstbewusst. Das, wofür sie eintritt, wird auch in der Mitte der deutschen Gesellschaft zunehmend salonfähig.

Allerdings birgt das auch eine Gefahr, denn die Partei kann es unmöglich einfach nur gut heißen, wenn auch die CDU immer stärker auf Abschottung setzt. Die AfD muss also ihren Ton weiter verschärfen, und genau das ist in Augsburg geschehen. Gauland redete dort einem kompletten Systemwechsel das Wort.

AfD bläst mit Steuergeldern zur Kulturrevolution

Gleichzeitig träumen viele in der AfD schon von Regierungsbeteiligungen in den Ländern, und vollkommen unrealistisch ist das nicht. Es beschreibt das Spannungsfeld zwischen „Antisystempartei“ und dem Ankommen in genau diesem System. Dass ausgerechnet die AfD sich nun auch eine parteinahe Stiftung gibt, macht das Dilemma nicht gerade kleiner. Es ist nicht sehr glaubwürdig, mit Steuergeldern zur Kulturrevolution zu blasen.

Die Fixierung auf ein einziges Thema hat der AfD bisher nicht geschadet. Aber zur Volkspartei, wie sie es vollmundig bekundet, kann sie damit nicht werden. In mindestens ebenso  wichtigen Feldern wie der Renten- und Sozialpolitik hat sie immer noch kein Konzept, und das liegt keineswegs daran, dass die Materie so komplex ist.

Die Partei ist tief zerstritten, die etwas Gemäßigteren haben dem rechtsnationalen Flügel um Björn Höcke bisher kaum etwas entgegenzusetzen. Es wird nicht helfen, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Ansonsten überlässt die AfD Höcke das Feld, der das Nationale mit dem Sozialen verbinden will. Man kennt das aus der deutschen Geschichte.