„Gut, dass wir drüber geredet haben.“ So lautet eine ironische Formel, wenn bei wichtigen Gesprächen wieder einmal nichts Konkretes herausgekommen ist. So könnte es auch nach der Runde heißen, die am Mittwochabend im Bundeskanzleramt stattgefunden hat. Angela Merkel hatte Wladimir Putin, François Hollande und Petro Poroschenko eingeladen, um nach einem Jahr  den Gesprächsfaden über die verfahrene Lage in der Ukraine wiederaufzunehmen.

Vom „Normandie-Format“ ist die Rede, weil das Quartett so erstmals am Rande der Weltkriegs-Feierlichkeiten im Norden Frankreichs zusammengekommen war. Auf diese Weise ohnehin verabredet, konnte auch das Thema auf den Tisch kommen, dessen Dringlichkeit die Krise am Ostrand Europas überholt hat: Syrien.

Wenigstens eine Atempause

Der Konflikt um die Ukraine ist „eingefroren“, wie es in der kühlen Sprache der internationalen Diplomatie heißt. Die Lage ist unbefriedigend. Aber sie wird auch nicht schlechter. Das lässt sich als Erfolg der russischen Aggressionspolitik werten. Wer das Glas lieber halbvoll sehen mag, kann sagen: Eine Ausweitung des Brandherdes ist verhindert worden. Dasselbe vom syrischen Kriegsschauplatz zu behaupten, wäre zynisch.

Denn dort wird die Lage vor Ort von Tag zu Tag immer schlimmer.  Das Bombardement von Aleppo ist eine humanitäre Katastrophe, wie sie aktuell – zum Glück  – nirgends ihresgleichen findet. Dass Putin nach Berlin gefahren ist, hat den Menschen in der eingeschnürten Stadt wenigstens eine kurze Atempause verschafft. Die Kanzlerin mochte nicht mit dem Kremlchef reden, während dessen Luftwaffe die Pulverisierung Aleppos weiter vorantreibt.

Es bedarf noch vieler Gespräche

Es wäre schon ein Riesenerfolg, wenn es gelänge, den syrischen Krieg auf ukrainischem Niveau „einzufrieren“. Das hätte jedoch zur Voraussetzung, dass der Westen sich mit Putins Verbündetem Assad in Damaskus ebenso abfindet wie Putin mit Poroschenko in Kiew. Vorerst wenigstens.

Die Alternative wäre ein weitergehendes militärisches Engagement. Denn Sanktionen haben sich als unwirksame Waffen gegen Putin erwiesen. Aber wer mag einen großen Krieg mit Russland riskieren? Die Lage ist verfahren. Das zu ändern, wird es noch vieler Gespräche bedürfen wie der Runde im Berliner Kanzleramt.