Köln hält diesem Land den Spiegel vor, zum zweiten Mal. Köln löst Debatten darüber aus, was wir wollen und was nicht, auch das schon zum zweiten Mal. So ist die Kölner Silvesternacht zu einem Kristallisationspunkt dafür geworden, was unsere Gesellschaft bietet und was sie sich nicht bieten lassen will. Silvester 2015 wurde schlagartig klar, dass viele junge Männer nordafrikanischer Herkunft – manche waren gerade nach Deutschland gekommen, andere lebten schon länger hier – auf der Kölner Domplatte zu Tätern wurden. Zu Tätern, die von ihren Opfer – Frauen – wohl nie vergessen werden. Weil diese jungen Männer die Frauen nicht nur körperlich, sondern auch in ihrer Würde verletzten.

Damals wurde selbst den Gutwilligsten drastisch deutlich, dass manche Flüchtlinge, denen wir Schutz bieten, diesen ausnutzen und kriminell werden. Was eigentlich nicht verwunderlich ist, da Menschen ja nicht partout bessere Menschen sind, nur weil sie Flüchtlinge sind oder aus zerfallenden Gesellschaften stammen. Aber selbst die Polizei hatte am 31. Dezember 2015 nicht mit dieser Gewalt auf der Domplatte gerechnet. Das hat sich geändert. Nicht nur wegen Köln.

Lob für Vorgehen der Polizei

Die Anschläge und Gewalttaten seither, in Würzburg, Ansbach und auf dem Berliner Breitscheidplatz wurden von Menschen begangen, die als Flüchtlinge in unser Land kamen oder sich als solche ausgegeben hatten. Auch das hat wohl dazu beigetragen, dass die Kölner Polizei sich in diesem Jahr sehr genau angesehen hat, wer auf die Domplatte wollte – und wen sie dorthin lassen wollte.

Das alles hat auch dazu geführt, dass die Kölner Polizei plötzlich von vielen Seiten heftig gelobt und verteidigt wird für ein Vorgehen, dass manche liberale Politiker, welcher Partei auch immer, früher skeptisch betrachtet hätten. Die Debatte um Köln ist ein Zeichen für die tiefe Verunsicherung der deutschen Gesellschaft. Und wir reden hier nicht von denen, die immer schon gewusst haben wollen, dass Menschen aus anderen Teilen der Welt eine Gefahr für unsere Welt darstellen. Die kann man gar nicht mehr verunsichern.

Polizeikritiker auf Seiten der Polizei

Wir reden von denen, die offenen Herzens das gelebt haben, was so umständlich „Willkommenskultur“ genannt wird. Wir reden über diejenigen Deutschen, die sich verpflichtet fühlen, Menschen zu helfen, denen in ihrer Heimat Krieg, Tod, Folter und Armut droht. Wir reden über alle Deutschen, die ein legitimes humanes Anliegen hatten - und jetzt feststellen, dass auch sie Angst haben. Angst davor, dass manche, die hierher kommen unsere Werte missachten, noch mehr Angst davor, dass manche uns hassen und töten wollen. Deshalb sind viele der gutwilligen Deutschen, der traditionell eher polizeikritischen Liberalen, nun auf Seiten der Polizei zu finden.

Weil sie sich und ihre Familien selbst als schutzbedürftig empfinden, auf der Domplatte, auf dem Weihnachtsmarkt und nicht nur da. Was soll man dagegen auch sagen? Zumal es für alle Opfer des vorvergangenen Silvesters in Köln wie eine Provokation gewirkt haben muss, dass sich wieder so viele junge Männer rund um den Dom treffen wollten.

Nicht jeder Deutsche ist gut, nicht jeder Flüchtling ist es

Das heißt: Wenn Männer aus Nordafrika im Dezember 2015 auf der Domplatte Frauen angegriffen haben, müssen – vielleicht auch andere – Männer aus Nordafrika sich ein Jahr später gefallen lassen, kontrolliert zu werden. Es geht um Täterprofile, Täterwahrscheinlichkeiten. Das ist nichts anderes, als wenn deutsche Fußballfans sich Kontrollen gefallen lassen müssen, weil unter ihnen immer Hooligans sein können, die wieder ein Stadion zerlegen wollen. Und hoffentlich werden auch alle Deutschen bis auf die Knochen kontrolliert, die sich dort aufhalten, wo gewaltbereite Neonazis aufmarschieren. Das ist der Punkt. Für alle, die hier leben.

Es gibt kriminelle Flüchtlinge, und wenn wir ihnen nicht hart entgegentreten, wird die Unsicherheit der Gutwilligen nur noch größer. Und es gibt kriminelle Deutsche, hat es immer gegeben. Treten wir denen nicht entgegen, wird die Unsicherheit der Gesetzestreuen in diesem Land noch größer.

Wer von der Polizei ein hartes Vorgehen gegen deutsche Vergewaltiger und Neonazis fordert, muss von ihr dieselbe Härte gegenüber Flüchtlingen fordern, die sich nicht an Gesetze halten. Nicht jeder Deutsche ist gut, und nicht jeder Flüchtling ist es. Das ist die beste Erkenntnis gegen die Verunsicherung. Handeln wir danach. Seien wir nicht naiv und glauben, dass wir die Welt besser machen können. Aber mit mehr Konsequenz nach allen Seiten, können wir dafür sorgen, dass sie hier nicht schlechter wird, als sie sein könnte.