Auf den ersten Blick scheinen die beiden Entwicklungen gar nicht zusammenzupassen: Woche für Woche treibt die Pegida-Bewegung mit mehr oder weniger offen ausländerfeindlichen Parolen Tausende Menschen auf die Straße. Und was macht die Politik? Sie diskutiert, wie sie mit einem Zuwanderungsgesetz qualifizierte Fachkräfte aus Indien, Südafrika oder Brasilien nach Deutschland locken kann.

Was zunächst wie ein Paradox klingt, hängt durchaus zusammen. Seit Jahrzehnten tritt die politische Debatte über ein modernes Staatsbürgerschaftsrecht auf der Stelle. Dabei ist Deutschland längst ein Einwanderungsland und wird aus demografischen Gründen in Zukunft noch stärker auf den Zuzug von Arbeitsmigranten angewiesen sein. Nun fordert ausgerechnet die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) ein neues Zuwanderungsgesetz mit Punkten für Sprache und Ausbildung. Der Hintergedanke ist klar: Die Zuzügler sollen in (gute) Ingenieure und (schlechte) Asylbewerber aufgeteilt werden. Dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Vor diesem Hintergrund tut sich die schwarz-rote Koalition erkennbar schwer mit dem Thema. Erst hat die Union ihren Generalsekretär Peter Tauber auflaufen lassen. Nun droht SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann in den eigenen Reihen ein ähnliches Schicksal. Unter den Teppich kehren aber lässt sich die Debatte nicht länger.