Überblick:

Die Fußball-Europameisterschaft war soeben ohne den von vielen befürchteten Angriff vorüber gegangen. Doch der Terror ist noch nicht zu Ende, im Gegenteil. Der Anschlag von Nizza mit über 80 Toten und unzähligen Verletzten muss als Terror gewertet werden – auch wenn wir über den Tatverdächtigen nicht viel mehr wissen, als dass er 31 Jahre alt war, einen französischen Pass und tunesische Wurzeln hatte. Die Tat jedenfalls war offenbar sogfältig geplant.

Der Mann wählte den für Frankreich enorm bedeutsamen Nationalfeiertag als Datum. Er wählte die Woche nach der EM – augenscheinlich um zu zeigen: „Wir erwischen Euch doch.“ Und schließlich schlug er in der Urlaubszeit an einem Urlaubsort zu. Das könnte Folgen haben für den Tourismus – so wie der Terror Folgen für den Tourismus in Ägypten hat oder in der Türkei. Schließlich benutzte der Tatverdächtige einen Lkw – so wie die Täter vom 11. September 2001 Flugzeuge benutzten, als sie in die New Yorker Twin Towers rasten. Piloten kann man, weil es nicht so viele sind, noch ganz gut kontrollieren. Aber Lastwagenfahrer? Dass der Mann bisher nur als Kleinkrimineller aufgefallen ist, passt übrigens ins Bild. Auch zuletzt befanden sich unter Terroristen gelegentlich bis dahin ganz normale Straftäter, die ihr gesellschaftliches Scheitern durch die Angabe vermeintlich politischer Motive zu veredeln suchten.

Gewisse Routine bei Terrorangriffen

Und nun? Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte gerade erst im Fernsehen gesagt, man könne den seit den letzten Anschlägen herrschenden Ausnahmezustand nicht noch einmal verlängern. „Sonst wären wir keine Republik mehr“, betonte das Staatsoberhaupt. Gemeint war wohl: keine Demokratie. Denn der Ausnahmezustand schränkt Freiheitsrechte ein. Dem Tatverdächtigen war das egal. Er schlug unerbittlich zu.

Und wir? Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hat jüngst beklagt, dass beim Umgang mit Terrorangriffen bereits eine gewisse Routine eingetreten sei. Er hatte Recht. So wird es auch diesmal sein. Es wird Sondersendungen im Fernsehen geben, Experten-Interviews, die Suche nach Hintermännern und den Ruf nach Konsequenzen. Das alles wird zwei, vielleicht drei Tage anhalten. Und dann wird wieder Ruhe sein.

In Wahrheit kaschieren wir durch derlei Betriebsamkeit längst allein unsere Ratlosigkeit. Sonst nichts.