Berlin - Von welchen Leuten jetzt das Schicksal der deutschen Kanzlerin abhängt, ließ sich am Freitag gut beobachten. Da hat Italiens Innenminister Matteo Salvini den Personenschutz für den Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano in Frage gestellt. Der hatte es gewagt, die italienische Flüchtlingspolitik zu kritisieren. Damit ist der Chef der fremdenfeindlichen Lega Nord nicht allein. In Österreich regiert die FPÖ mit, die nicht minder fremdenfeindlich ist.

Es geht also nicht darum, ob ein paar Flüchtlinge mehr oder weniger die deutsche Grenze passieren. Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther hat recht: Es geht darum, ob es der CSU gelingt, die Koordinaten der Union und damit der Republik weit nach rechts zu verschieben.

Selbst wenn viele im Regierungsviertel noch nicht so recht glauben wollen, dass die CSU die Kanzlerin kippt: Tatsächlich denken die anderen Parteien längst über ihre Reaktion auf den „Tag X“ nach. Hat es noch Sinn, sich an den bekannten Koordinaten zu orientieren? Oder formiert sich ein neues Parteiensystem mit CDU, SPD und Grünen auf der einen Seite und AfD samt CSU auf der anderen Seite – mit einer irrlichternden FDP mittendrin? Matteo Salvini und der rechte Aufwind in Europa lassen eher Letzteres vermuten.