Die üblichen Regeln der Politik gelten nicht für Donald Trump. Diese Beobachtung lässt sich Vorwahlkampf der Republikaner in den USA immer wieder machen. Beleidigt er Konkurrenten in seiner Partei als dumme Nichtskönner, steigen seine Umfragewerte – vor allem, wenn die Konkurrenten sich gegen Trumps unflätige Aussagen wehren. Macht er absurde Vorschläge – wie den Bau einer unüberwindlichen Mauer an der Grenze zu Mexiko – ist die Mehrheit der Republikaner begeistert. Will er Moscheen schließen lassen oder Muslime in Karteien erfassen, erntet er Lob in allen rechten Medien und Jubel bei seinen Auftritten.

Illegaler, aber brillanter Vorschlag

Insofern überrascht es nicht, dass er nun fordert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen, egal ob sie Ausländer sind oder US-Bürger. Die Reaktion eines seiner Anhänger bringt die Stimmung in der Partei auf den Punkt: Das mag zwar illegal sein, aber es ist ein brillanter Vorschlag in diesen gefährlichen Zeiten.

Trumps Forderung ist nur die konsequente Fortsetzung seines Wahlkampfes der kontinuierlichen Radikalisierung. Was in Europa, aber auch bei den Demokraten in den USA nur Kopfschütteln, wenn nicht Ekel hervorruft, ist Irrsinn mit präzisem Kalkül. Trump ist kein Verrückter. Er ist eigentlich nicht mal ein Hardcore-Konservativer. Er ist ein Spieler, der genau weiß, was er tut, weil er die Regeln des Spiels besser verstanden hat als jeder andere, ja er selbst schreibt die Regeln des Spiels gerade neu.

Trump schreibt seine eigene Realität für die weiße Unterschicht

Er schafft eine neue Realität für die verängstigte weiße Unterschicht, die sorgenvoll auf die sich radikal verändernde Welt blickt, die sich ständig benachteiligt fühlt, die ihre Interessen in Washington nicht vertreten sieht, die den schwarzen Präsidenten Barack Obama so sehr hasst, dass sie ihm die Legitimität abspricht, das Land zu regieren.

Die politischen Angebote Trumps entsprechen ungefähr dem, was Le Pen in Frankreich oder Pegida in Deutschland vorschlagen. Der Unterschied ist die Performance. Mit Trump übernimmt das Reality-TV die Realität. Je radikaler er sich geriert, je spektakulärer seine Vorschläge sind, desto mehr dominiert er die Medien.

Trump scheint der unvermeidliche Präsidentschaftskandidat

Trump muss keine Wahlwerbespots senden, keine Anzeigen schalten, seine Botschaften sind ohnehin auf allen Kanälen präsent und erlangen dadurch Durchschlagskraft. So hat er es schon als Reality-TV-Moderator gemacht, so macht er es jetzt im Wahlkampf.

Wie gefährlich diese Methode ist, begreift jetzt sogar die republikanische Partei. Schließlich muss sie befürchten, dass ein Erfolg des radikalen Trump ihr bei den Wahlen zum Kongress schadet, weil sich die moderaten Wähler von ihr abwenden. Vielleicht jedoch kommt diese Erkenntnis nun schon zu spät. Denn Trump scheint mittlerweile, der unvermeidliche Präsidentschaftskandidat zu sein.